Freitag, 27. Juni 2008

AL FINAL...

Bis zur letzten Minute habe ich eben noch an unserer Marketing-Präsi gebastelt (von Powerpoint hat nämlich hier keiner wirklich Ahnung) – und jetzt ist es plötzlich vorbei. Geschafft! Die anstrengende Klausurenwoche ist vorbei und die Uni zuende. Meinen Spanischkurs habe ich mit der Note 9 beendet (10 ist die Beste). Die mündliche Prüfung war mehr ein 15-minütiges Gespräch darüber, wie mir Argentinien gefällt, warum ich gerade hier bin, welche Reisen ich hier gemacht hab blablabla – locker also. Wirtschaftsgeographie habe ich mit 8 beendet und für das Präsentieren (meines Teils) der Marketing-Präsi ebenfalls 8 bekommen. Nur das mündliche sowie schriftliche Examen in Economía Internacional (VWL auf Spanisch :-P) war nicht so dolle, aber das Ergebnis bekomme ich erst nächste Woche – naja, bestanden wird es wohl sein. Jetzt sind es 22 Uhr und in 17 Stunden setze ich mich ins Taxi Richtung Aeropuerto Ezeiza. Kathrin, die Mitbewohnerin von Sigi’s Freund, die witzigerweise in Deutz wohnt, fliegt 45 min vor mir - von daher teilen wir uns das Remis zum Flughafen und die langweilige Zeit des Wartens. Somit ist das hier mein letzter Blogeintrag. Am Sonntag habe ich noch einen letzten ausgedehnten Spaziergang durch ein paar der schönsten Teile der Stadt gemacht – sozusagen eine „Abschiedstour“ – seht selbst in meinem letzten Fotoalbum. Außerdem durfte natürlich auch ein letzter Besuch in einer Parilla nicht fehlen, um ein letztes echt-argentinisches Bife de Lomo zu genießen. Nach der Spanischprüfung wurde heute noch ein Foto von mir geschossen für die Homepage der Uni, wofür ich noch drei, vier „nette“ Sätze über meine Zeit an der UMSA schreiben darf. Jetzt werde ich mich aber endlich dem Packen meiner Koffer widmen. Mein Gepäck hat sich in den 4 Monaten schätzungsweise fast verdoppelt – aber immerhin habe ich ja mittlerweile noch (Dank undurchsichtiger Infos auf der Homepage von Iberia) erfahren, dass ich auch doppelt so viel mitnehmen darf – nämlich zweimal 23 kg. Bleiben ein paar letzte Worte… Die 4 Monate hier sind geradezu vorbeigeeilt. Ich habe sie genossen – trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Sprache und langweiliger Uni-Vorlesungen. Ich habe einen Einblick in eine ganz andere Welt bekommen, wunderschöne Landschaften gesehen, das „typisch“ argentinische Leben kennen gelernt und noch mehr nette und interessante Menschen aller möglicher Nationalitäten. Ich freue mich sehr darauf, am Sonntag wieder nach hause zu kommen, wo eine ganze Menge lieber Menschen auf mich warten. Ich freue mich auch auf ein ereignisreiches Sommerlager und ein letztes Semester an der EUFH sowie auf viele „selbstverständliche“, deutsche Annehmlichkeiten. Trotzdem möchte ich die Zeit hier nicht missen. Ich konnte nicht nur mein Spanisch (vor allem das Sprechen) deutlich verbessern, sondern habe sicher auch einiges „fürs Leben gelernt“ – wie man so schön sagt ;-) DANKE an alle, die mir dieses Auslandssemester ermöglicht haben, vor allem meinen Eltern! DANKE an alle, die mich durch das Lesen meines Blogs und das Schreiben lieber Emails in den 4 Monaten „begleitet“ haben! (Schön, dass euch meine Berichte und Fotos so begeistert haben…hätte ich nicht erwartet :-) ) Und DANKE an meinen Liebsten, der mich gehen gelassen hat und jetzt schon sehnsüchtig auf meine Ankunft wartet ;-))) Ich freu mich auf euch alle!!!

Mittwoch, 18. Juni 2008

Der Countdown läuft...

Ich bin wieder gesund aus Iguazú zurückgekehrt. Im Hostel wurde schon Panik verbreitet, es würde in den nächsten zwei Tagen kein einziger Bus fahren, vor allem nicht nach Buenos Aires - alles gestrichen wegen erneuter Streikankündigungen. Nach einem Anruf bei unserem Busunternehmen stellte sich jedoch heraus, dass bei ihnen keine Busse gestrichen würden. Wahrscheinlich war es nur für die Leute, die noch kein Ticket hatten, nicht möglich, eines zu erstehen. Und so verließen wir pünktlich das Busterminal und kamen außerdem mit nur 30-minütiger Verspätung wieder in BsAs an. Nachdem man mir an der Uni schon fünfmal die Klausurtermine und Uhrzeiten geändert hat, wurde mein Midterm-Test in Wirtschaftsgeographie heute auch noch auf die nächste Woche verschoben. Auch meine Spanischstunden verschieben sich in letzter Zeit aus den verschiedensten Gründen immer wieder. So habe ich nächste Woche noch schön was nachzuholen und – ganz nebenbei – fallen dann neben den 4 Final Exams und der Marketingpräsi noch beide „Midterm“-(haha)-Tests an. Yuhuu, so habe ich mir meine letzten 10 Tage in Argentinien wirklich vorgestellt. Naja, ich darf mich nicht beschweren – bald beginnt mein letztes Semester an der EUFH und dann werden wir mal wieder sehen, was Arbeit in Form vom nem Haufen Klausuren & Präsis plus ne kleine Fallstudie wirklich heißt. Mit der notwendigen Motivation, die mir hier an dieser Chaos-Uni fehlt, geht allerdings alles leichter…

Samstag, 14. Juni 2008

Las Cataratas de Iguazú - Wassermassen zwischen Argentinien und Brasilien

Ich berichte live aus Iguazú, am Drei-Laender-Eck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay. Endlich bin ich hier und verwirkliche meine einzige Reise, die ich schon von Deutschland aus ersehnt hatte. 16 Stunden Busfahrt liegen hinter uns. Doch dank der Luxus-Busse, die fuer solche Strecken in Argentinien eingesetzt werden, war es sehr ertraeglich. Die Sitze sind nicht nur um einiges breiter und weicher, als man das so von deutschen Reisebussen kennt, sondern auch noch fast bis in die Horizontale verstellbar inkl. ausklappbarer Fusslehne. Aber auch der sonstige Service steht diesem Luxus in Nichts nach. Zuerst gab es fuer jeden ein Bonbon :-D (das nur der Vollstaendigkeit halber), ausserdem ein warmes Abendessen, Getraenke, Kaffee und Fruehstueck - wie im Flugzeug. Der Bus ist trotz erneuter Streikwarnungen puenktlich abgefahren und sogar auf die Minute genau gestern morgen um 10.50 Uhr in Puerto Iguazú angekommen. Dann - mal wieder einer dieser Zufaelle - war das erste, was ich an der Bushaltestelle beim Warten auf den Colectivo zu unserem Hostel angetroffen habe, das israelische Maedel, mit dem ich mir in Salta ein Zimmer geteilt habe. Sie war allerdings schon wieder auf der Weiterreise. Nora und ich haben den Tag natuerlich direkt genutzt und sind die 20 min nach Brasilien ruebergefahren, um uns zuerst die brasilianische Seite der Wasserfaelle anzusehen. Von dortaus hat man von verschiedenen Aussichtspunkten eine breite Aussicht auf den Grossteil der Wasserfaelle. Schon diese Anblicke waren toll und beeindruckend. Doch nachdem wir uns dann heute auch die argentinische Seite angesehen haben, waren wir schon froh, die brasilianische zuerst gesehen zu haben. Von Argentinien aus kommt man viel naeher ran und steht teilweise sogar ueber den Wasserfaellen. Am beeindruckensten war eindeutig die "Garganta del Diablo" (der Teufelsrachen). Aber auch Ausblicke auf eine ganze Wand von Wasserfaellen oder unglaublich nah vor einem riesigen Wasserfall zu stehen und dabei klitschnass zu werden, waren nicht uneindrucksvoll. Ich koennte stundenlang zuschauen, wie diese unglaublichen Wassermassen in die Tiefe stuerzen. Nach jeder neuen Kurve findet man neue Motive, die sich zu fotografieren lohnen. So habe ich jetzt gut 200 - 250 Fotos nur von der Wasserfaellen. Aber auch Flora und Fauna, wenn man dort mitten durch den subtropischen Regenwald laueft, bieten schoene Motive. Von den Voegeln, die wir gestern noch im Vogelpark bewundert haben, konnten wir heute ein paar wenige, u.a. auch Tukane, wild beobachten. Aber auch die fast schon zahmen Nasenbaeren waren toll. Es ist, wie durch ein Tropenhaus im Zoo zu gehen - nur alles "in Echt"! Die sehr feuchte Luft zu atmen, ist durchaus angenehm (vor allem, wenn man aus Buenos Aires kommt) und ausserdem ist es mit ca. 23 Grad ja auch nur noch angenehm warm - und eben nicht wie im Tropenhaus. Jetzt gleich gibt es Asado hier im Hostel. Ausserdem werden wir hoffentlich auf Sigi (meine neue Mibewohnerin) und ihren Freund treffen, die hier heute morgen angekommen sind. Morgen werden wir dann wohl noch die Moeglichkeit wahrnehmen, ans Drei-Laender-Eck zu fahren, bevor unser Bus um 16.30 Uhr wieder Richtung Buenos Aires faehrt. Dort warten dann in den naechsten zwei Wochen noch 3 schriftliche, 4 muendliche Pruefungen und die Praesentation unserer Marketing-Aufgabe auf mich. Aber gleichzeitig kann ich ja auch schon den uebernaechsten Samstag herbeisehnen - an dem mein Flug nach hause geht!!!

Salta (Nachtrag)

Zuerst - wie versprochen - der noch fehlende zweite Teil meiner Salta-Reise. Ich hatte einen zweiten organisierten Bustrip gebucht und zwar mit dem Ziel Cafayate, einem beruehmten Weinanbaugebiet. So durften natuerlich die Besichtigung zweier Bodegas mit anschliessender Weinprobe nicht fehlen. Der Wein gedeiht in dieser Region dank 360 Sonnentage und auesserst seltenem Niederschlag praechtig. In Cafayate hatten wir natuerlich auch genuegend Zeit, das Staedtchen zu erkunden und nordargentinische Spezialitaeten zu geniessen. Viel aufregender war allerdings die Hin- und Rueckfahrt durch das Quebrada de las Conchas, eine leuchtend rote Schlucht. Man konnte sogar Felsformationen wie "die Titanic", "den Obelisco" oder "die Prozession" bewundern - zumindest, wenn man mit viel Vorstellungskraft gesegnet ist... Den letzten Stopp stellten "das Amphitheater" und "der Teufelsrachen" dar, zwei enge Felsspalten, durch die man jeweils in eine groessere Hoehle kommt. Erstere macht ihrem Namen auch alle Ehre, was ein einheimisches Gitarrentrio verdeutlichte. Ich denke, im Fall der Quebradas, sagen Bilder mehr als 1000 Worte - ihr habt es ja schon gesehen. Ansonsten habe ich mir Salta noch von oben angesehen, nachdem ich mit meiner israelischen Zimmernachbarin mit der Seilbahn auf den Cerro San Bernardo gefahren bin. Ausserdem habe ich mir in den letzten verbleibenden Stunden vor meinem Abflug noch das Museo de Arqueología de Alta Montaña angesehen, wo immer eine von drei Inka-"Mumien" ausgestellt ist. Mumien sind es aber eigentlich nicht, da diese Inkakinder eingefroren im Eis auf dem hoechsten Vulkan Saltas gefunden worden. Dann war es auch schon wieder Zeit, die Reise zum Flughafen anzutreten, um nach Buenos Aires zurueckzukehren.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Zwischenstand

Ja, ich weiß...der Bericht über den zweiten Teil meiner Salta-Reise steht noch aus...hätte ich über all die tollen Fotos fast vergessen. Ich war leider die letzten 4 Tage krank. Jetzt bin ich aber wieder fast topfit. Und in 10 Minuten geht es los: Nora und ich fahren mit dem Bus nach Iguazú. Morgen früh sollen wir planmäßig gegen elf da sein. Wir haben zweieinhalb Tage vor Ort bevor es Sonntag Nachmittag wieder die 17 Std. mit dem Bus zurück geht. Wir wollen uns auf jeden Fall sowohl die argentinische als auch die brasilianische Seite der berühmten Wasserfälle ansehen. Man darf gespannt sein! Schönes Wochenende und ich denk an Euch!

Montag, 2. Juni 2008

Salta, la linda

Heute in 4 Wochen bin ich schon wieder zuhause :-) Momentan nutze ich aber noch die verbleibende Zeit, um ein wenig mehr vom Land zu sehen – ich verbringe naemlich gerade viereinhalb Tage in Salta, im Norden von Argentinien. “Salta – linda por naturaleza” (etwa “Salta, die Schoene - wegen ihrer Natur”) versprechen die Flyer der Touristenbueros und damit haben sie auf jeden Fall Recht. Die Stadt ist wirklich huebsch. Mittelpunkt ist die Plaza 9 de Julio und um sie herum sind auch fast alle Sehenswuerdigkeiten der Stadt zu finden, wie das alte Cabildo (Rathaus) oder die rosafarbene Catedral Iglesia. Viele Haueser im Land sind uebringens richtig knallig bunt gestrichen – sieht schon schoen aus und bringt Farbe in die Staedte. Gestern habe ich an einer organisierten Tour durch den Parque Nacional Los Cardones teilgenommen. “Cardones” sind Kakteen, die mehrere Meter hoch werden und die ueberall im Park wachsen. In einigen Gebieten konnte man kilometerweit nur wuestenaehnliche Landschaften mit eben diesen Kakteen und den Bergen im Hintergrund bewundern, wirklich toll! Der erste Teil der Strecke fuehrte jedoch durch gebirgige Landschaften, wo die Berghaenge auf Grund der Gesteinszusammensetzung rot und gruen leuchten und eine andere Kakteenart zu finden ist (wenn man genau hinsieht, bemerkt man den Unterschied). Wir waren mit 12 Personen plus Guide in einem Buesschen unterwegs. Wir haben mal wieder jede Menge gelernt, ueber die Kakteen, den Karneval in Salta, die Inka und auch, dass Lama nicht gleich Lama ist. Dass es vier verschiedene Arten, naemlich Alpacas, Vicuñas, Guanacas und eben Lamas gibt, wusste ich ja schon, aber jetzt weiss ich auch, welche wo leben und wie man sie unterscheiden kann :-) Dann haben wir auch tatsaechlich noch eine Herde wilder Guanacas gesehen und endlich habe ich sie auch fotografisch festhalten koennen (nachdem wir in Patagonien nur so an ihnen vorbeigerast sind). Ich bin richtig stolz auf mich: Ich habe die kompletten Ausfuehrungen des Guides auf Spanisch verstanden und tatsaechlich hat mir der ein oder andere Einheimische in den letzten Tagen gesagt: “Hablas muy bien español!” :-))) Neben mir im Bus sass ein aelteres Ehepaar aus Buenos Aires mit denen ich mich ein wenig unterhalten habe und - wie die Argentinier eben so sind – haben sie sich am Ende direkt mal mit einem “beso" verabschiedet und mir “suerte” gewuenscht – in Deutschland undenkbar. Die Tour fuehrte uns auch durch ein paar winzige Ortschaften - naja, es waren eigentlich mehr ein paar Lehmhuetten. Zum Bauen der Haueser wurde frueher oftmals auch das Holz der Cardones verwendet. In der Provincia Salta wird nicht nur Tabak angebaut, sondern auch Paprika- und Chilischoten. Letztere werden einfach zum Trocknen in die Sonne gelegt – rot leuchtende Teppiche auf den Feldern. Wir hatten ein leckeres Mittagessen in der Sonne mit nordargentinischen Spezialitaeten. Dazu zaehlen beispielsweise Humitas und Tamales (beides ein Pueree aus Mais, Kaese, Kuerbis etc., letzteres zusaetzlich mit Rindfleisch; wird in Maisblaettern serviert), Locro und andere Cazuelas (Auflaeufe mit Fleisch. Mais. Kuerbis usw) und naturlich Empanadas. Wir hatten waehrend der Bustour immer wieder die Gelegenheit, Fotos von der wunderschoenen Landschaft zu machen – und so habe ich es in den 3 Tagen hier schon wieder geschafft, gut 350 Fotos zu machen. Es sind auch wieder einige Postkartenfotos dabei :-D, doch das Hochladen klappt hier im Internetcafé leider nicht. Daher muesst ihr euch wohl oder uebel bis Donnerstag gedulden. Zuletzt sind wir in dem kleinen Dorf Cachi angekommen und konnten dort ein wenig Zeit verbingen. Auf der Tour habe ich auch ein Paerchen aus Oesterreich kennengelernt, die zufaellig morgen an der Tour nach Cafayate teilnehmen, die ich ebenfalls gebucht habe. Das Hostel ist total ausgestorben, nur ca. 8 Leute sind zur Zeit da. So teile ich mir das 6er-Zimmer nur mit einem Maedel aus Israel. Wir waren eben zusammen in der Stadt unterwegs und sind mit der Seilbahn auf den Cerro San Bernardo gefahren. Von dort oben hat man einen tollen Ausblick ueber die Stadt. Doch als wir auf einen Café Cortado im Café auf dem Gipfel sassen, zog sich der Himmel zu und es wurde richtig kalt. Gluecklicher Weise hatten wir bereits alle Fotos gemacht, waehrend noch der blaue Himmel ueber der Stadt thronte – just in time sozusagen :-)

Freitag, 30. Mai 2008

Salta, yo vengo!

Der Winter ist ausgebrochen – jedenfalls glaubt man das, wenn man sich die Porteños ansieht. Eigentlich sind es ja noch 9°C, aber für die Leute hier sind das eben winterliche Temperaturen und daher wurden direkt mal Daunenjacken, Winterstiefel und Handschuhe ausgepackt. Ich habe heute sogar Leute gesehen, die den Schal bis zur Nase hochgezogen hatten. Meine Spanischlehrerin war direkt mal voll erkältet und fragte mich, ob mir nicht kalt wäre, weil ich noch mit Sommerjacke rumlaufe. Tja, die sind eben nichts gewöhnt, die Porteños – und das sage ich, der sonst immer als erste kalt ist :-D Morgen muss ich schon um 5:15 los zum Aeroparque Jorge Newberry – und dann geht’s los in Richtung SALTA!!! Bin mal gespannt. Fliege zwar alleine, aber sonst kann sich keiner frei nehmen…und entweder jetzt - oder nie! Am Mittwochabend bin ich zurück. Vielleicht habe ich aber auch im Hostel Gelegenheit, live von meinen Erlebnissen zu berichten, mal schaun. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und freue mich weiterhin über eure lieben Mails und die ein oder andere Postkarte, danke! Nur das Päckchen, auf das ich seit 4 Wochen warte, will nicht ankommen :-(

Mittwoch, 28. Mai 2008

25 de Mayo - la Revolución de Mayo de 1810

Wie ihr vielleicht schon auf meinen letzten Fotos gesehen habt – der Herbst ist eingekehrt mit grauem, ungemütlichen Wetter :-( Nachdem ich mir am Samstag das Museumsschiff „Fragata Presidente Sarmiento“ in Puerto Madero angeschaut habe, wollte ich noch ein wenig auf der Av. Florida und in den Galerías Pacífico einkaufen gehen. Auf dem Weg dorthin hörte ich jedoch, dass auf der Plaza de Mayo kräftig was los war – die Lautsprecher waren immerhin bis zum Hafen zu hören. Also habe ich einen kleinen Umweg genommen, weil ich neugierig war. Am Sonntag war der zweitwichtigste Nationalfeiertag, nämlich der 25 de Mayo, der an die Revolution zur Befreiung von den Spaniern 1810 erinnert. Vor der Catedral Metropolitana fand eine Messe unter freiem Himmel auf einer Bühne statt, inkl. drei Fernseh-Übertragungswagen. Der ganze Platz war voller Menschen. Viele hatten Nationalflaggen oder Transparente dabei und die Gebäuden ringsum waren ebenfalls mit Fahnen geschmückt. Ich fand es mal ganz spannend, zu sehen, wie hier die Messe gefeiert wird – immerhin sind 90 % des Landes katholisch (wenn auch nicht besonders streng gläubig). Jedenfalls wurde sogar die Nationalhymne gesungen und außerdem eine Marienstatue (sehr kitschig mit Stoffgewand) unter lautem Beifall durch die Menge in die Kirche getragen. La Presidenta Cristina (wie sie hier nur genannt wird) ist übrigens in Anbetracht der Crisis con el Campo nach Salta geflüchtet und hat dort ihre Rede zur Feier der Unabhängigkeit gehalten - und das, wo doch Buenos Aires der Mittelpunkt allen Geschehens im Lande ist…was soll man dazu sagen ;-) Ansonsten habe ich jetzt meine restliche Zeit hier weitestgehend verplant. Am Samstag fliege ich für 4,5 Tage nach Salta. Ich habe kurzfristig noch einen Billigflug ergattert – und zwar dank meines Studentenvisums zum Argentinierpreis, der nur die Hälfte (!) des Preises für Ausländer beträgt. Dort in Salta, im Norden von Argentinien, herrschen übrigens, ganz im Gegensatz zum kalten Patagonien, Kakteen und wüstenähnliche Landschaften vor. Die Península Valdes werde ich leider nicht mehr besuchen; aber man sagte mir im Reisebüro, dass die Wale erst Mitte Juni zurück kommen und auch die Pinguine momentan nicht da sind, weil sie im Winter wandern. Daher gibt es dort momentan nicht viel zu sehen. Iguazú steht aber noch auf meinem Programm. Dort werde ich in zweieinhalb Wochen mit meiner Mitbewohnerin Nora hinfahren – 16 bis 18 Stunden Busfahrt sind es – und zwar eine Strecke. Unsere WG hat sich übrigens ein wenig geleert: Nachdem Joe Anfang letzter Woche in Richtung Bolivien gestartet ist, ist gestern auch der französische Alex ausgezogen. Wie der Zufall es will, hat Helena heute ein deutsches Mädel bei einem DAAD-Treffen kennengelernt - und zufällig erfahren, dass diese am Freitag bei uns einzieht :-)

Montag, 19. Mai 2008

Das Barrio Chino und die Gaucho-Feria

In den letzten Tagen hat uns doch noch mal die Sonne mit herrlichen Temperaturen beehrt: 20 - 25 °C im Spätherbst. Allerdings sind diese Temperaturen wohl nicht normal für diese Jahreszeit – gracias al cambio climático ;-) Samstag waren wir im Barrio Chino (Chinatown). Treffpunkt war am Bahnhof „Belgrano“. Nach einer halben Stunde rief Connie, eine argentinische Bekannte, an und fragte, wo wir seien. Sie wäre am Bahnhof Belgrano; da wo die Schienen die Avenida Juramento kreuzen. Ja, auch Helena, Caro (die Belgierin) und ich waren am Bahnhof Belgrano - da wo die Schienen die Avenida Juramento kreuzen. Seltsam… Erst nach Austausch der Hausnummern auf Höhe der Gleise und einem zweiten Blick in den allzeit überlebenswichtigen „Guia T“ (Heftchen mit allen Karten, Straßen und Bussen von BsAs), fiel uns auf, dass es tatsächlich zwei verschiedene Bahnhöfe mit dem Namen „Belgrano“ gibt. Wir standen am „Belgrano R“, Connie am „Belgrano C“. Klingt komisch, is aber so. Dazwischen lagen glücklicher Weise nur 14 Cuadras, die mit dem Taxi schnell bewältigt waren. Dann konnten wir endlich das Barrio Chino unsicher machen, das allerdings nur 3 Cuadras groß ist. Zuerst waren wir bei einem weit bekannten Chinesen essen, dann in einem riesigen, chinesischem Supermarkt, wo wir uns mit Sushi und allen möglichen anderen Leckereien für einen gemütlichen Abend eingedeckt haben. In dem Supermarkt gab es allerlei seltsame Dinge zu kaufen – seht selbst auf meinen Fotos. Die Frischfleisch- und –fischtheke mit den Hühnerfüßen und noch lebenden Muscheln, aus denen eckliges Zeug rausquoll, war der Höhepunkt. Doch scheinbar gibt es tatsächlich Leute, die so etwas kaufen… Nach diesem Anblick war unser Bedarf fürs Erste gedeckt und wir machten uns auf den Weg zu Connie’s neuer Wohnung, um bei einem Mate ganz relaxt den freien Nachmittag zu genießen – typisch argentinisch eben. Heute bin ich dann mit Helena, Maria und ein paar ihrer Freunde an den Rand der Hauptstadt zu der Feria de Matadores gefahren. Dabei handelt es sich um einen großen Wochenendmarkt im Gaucho-Stil. Es wurde nicht nur typisches Handwerk, wie Lederwaren, Schmuck und Spezialitäten feil-, sondern auch ursprüngliche Gaucho-Musik dargeboten, zu der Leute mitten auf der Straße tanzten. Lamas und Männer im traditionellen Gaucho-Kostüm durften natürlich auch nicht fehlen. Noch 6 Wochen!!! Dann ist meine Zeit hier auch schon rum. Aber zugegeben, ich freu mich schon sehr darauf, euch endlich alle wieder zu sehen!! Vor allem natürlich Dich, René! Auch der ein oder anderen Annehmlichkeit in Deutschland schaue ich mit Freuden entgegen - und sei es nur eine „selbstverständliche“ Kleinigkeit wie ungechlortes Leitungswasser, eine richtige Bettdecke oder nicht lebensgefährlicher Straßenverkehr. Aber die restliche Zeit werde ich hier schon noch rumkriegen. Es steht ja noch jede Menge Arbeit für die Uni an. Das erste Examen Parcial habe ich übrigens mit 8 von 10 Punkten bestanden :-), aber vor den mündlichen Prüfungen auf Spanisch am Ende des Semesters graut es mir jetzt schon. Des Weiteren möchte ich unbedingt noch zu den Cataratas de Iguazú (den breitesten Wasserfällen der Welt) und wenn möglich zur Península Valdes zum Pinguine und Wale Gucken. Den ersten Schritt habe ich getan, mich gegen das Fiebre Amarilla impfen zu lassen. Nachdem von durch Gelbfieber verursachten Todesfällen berichtet wurde und hier das Gerücht umging, wegen einer Gelbfieber-Epidemie sei momentan in ganz Buenos Aires kein Impfstoff zu haben, habe ich mich doch dazu entschieden, da die Wasserfälle schon im gefährdeten Gebiet liegen. Widererwartend ging aber alles ganz einfach. Man spaziert einfach mit seinem Pass zur Impfstelle – und 5 min später hatte ich einen 10 Jahre anhaltenden Impfschutz und das zugehörige Impfzertifikat - vollkommen umsonst. Es kann also auch mal einfach und schnell gehen in diesem Land – trotz Wartemerkchen und Bürokratie.

Sonntag, 11. Mai 2008

Letzte Sonnenstrahlen im Paraná-Delta

Gestern hieß es: Raus aus der Stadt, rein in den Tren de la Costa und ab nach Tigre, eine Stunde nördlich von Buenos Aires. Der Tag war noch mal schön sonnig warm, aber es geht merklich auf den Herbst zu und wenn die Sonne untergegangen ist, wird es ganz schön kalt. Ihr könnt euch also freuen – ihr habt uns überholt ;-) Hm…wie gern würd ich jetzt die warmen Abende mit euch im Biergarten oder beim Grillen genießen… naja, das muss noch was warten… Jedenfalls ist Tigre eine nette kleine Vorstadt mit einen Markt im Puerto de los Frutos, über den wir geschlendert sind. Der Grund, warum die Porteños im Sommer übers Wochenende nach Tigre fahren, ist aber das Paraná-Delta, das hinter der Stadt beginnt. Kanäle ziehen sich durch das Delta, an deren Seiten die hübschen Ferienhäuser der Porteños stehen. Boote sind die einzigen Verkehrsmittel, denn Straßen gibt es im Delta nicht. Nora und ich sind mit einer Horde Einheimischer in einem Taxi-Boot durch das Delta gefahren. Man sagt einfach, wo man hin möchte und das Boot hält an den entsprechenden (privaten) Stegen. In „Tres Bocas“ konnten auch wir aussteigen und eine Runde über schmale Pfade an hübschen, oft bunten Häuschen an einem schmaleren Kanal entlang spazieren. Dabei haben wir, nachdem wir die erste Brücke überquert hatten, Bekanntschaft mit einem Hund gemacht, der sich sehr für unsere auf dem Markt erworbenen Schätze interessierte. Es war nichts Essbares dabei, aber er riss ungeachtet unserer Verteidigung unsere Tüte in Fetzen und lief mit Nora’s neuem Mate davon. Dann merkte auch der Hund, dass dieser nicht essbar war, hat ihn aber trotzdem mal zur Sicherheit ausgeschleckt…mmmh…, so kann’s gehen. Nachdem wir auch die letzten Sonnenstrahlen genossen und unzählige Fotos von den farbenfrohen Häuschen geschossen hatten, haben wir uns noch ein leckeres Quilmes auf einer Terrasse über dem Fluss gegönnt und dort auf unser Taxi-Boot gewartet, das uns wieder zurück nach Tigre brachte. Auf dem Heimweg haben wir aber nicht den Tren de la Costa, der sich als nicht sooo atemberaubend entpuppte, sondern den normalen, schnelleren Zug genommen. Den Abend haben Nora und ich dann noch in einer urigen Tango-Kneipe in unserem Viertel, Almagro, ausklingen lassen. Jetzt gleich werden wir uns unsere Bücher und spannende Uni-Texte schnappen und ein paar letzte Sonnenstrahlen in der Costanera Sur genießen. Der Naturschutzpark hinter dem Puerto Madero ist übrigens gut auf meinen Fotos aus der Luft erkennbar, die ich letzte Woche bei unserem Flug nach Calafate gemacht habe. Genießt auch ihr die Sonne - ihr habt sie verdient :-)

Mittwoch, 7. Mai 2008

Ushuaia - el fin del mundo

Heute stand in der Uni eigentlich der erste Midterm-Test in Geografía económica auf dem Plan. Jetzt schreiben wir ihn erst nächste Woche, weil ein paar Studenten „noch Zweifel hatten“. Wir zweifeln mehr an der Dozentin und ihrer Art, den Unterricht zu gestalten, aber gut – es ist ja nur noch ein halbes Semester, bis wir wieder was lernen dürfen (außer der spanischen Sprache) ;-) Jetzt hole ich aber endlich mal meinen Bericht über Ushuaia nach – ihr habt es den Fotos ja schon entnommen – auch diese beiden Tage waren grandios. Wir haben natürlich den „Parque Nacional Tierra del Fuego“ erkundet. Nach dem „Parque Nacional Los Glaciares“ stellte er sich jedoch als „harmlos“ heraus – will sagen, es gab jede Menge Kaninchen und einen Biberdamm; auch andine Adler in großer Anzahl ließen sich blicken; doch es waren eben „nur“ schöne, nicht atemberaubende Ausblicke - wie eben auf den Fitz Roy oder den Perito Moreno Gletscher. Jaja, es ist traurig – so schnell gewöhnt man sich an wunderbare Naturschauspiele ;-) Aber die „Cataratas de Iguazú“, die breitesten Wasserfälle der Welt an der Grenze zu Brasilien und Paraguay, stehen ja noch auf meinem Plan für die nächsten 53 Tage. Aber ich schweife ab… Doch, Ushuaia war definitiv eine Reise wert! Und das nicht, nur um sagen zu können: „Ich war am Ende der Welt!“. Die Stadt hat immerhin 53.000 Einwohner und bei einer einstündigen Busfahrt mit der ganz normalen Linie C, die uns in rasantem Tempo über holprige Straßen quer durch die Stadt auch an ärmeren Bezirken vorbei führte, konnten wir doch einen Eindruck der Stadt gewinnen, abseits vom gnadenlos vermarkteten Prädikat „die südlichste Stadt der Welt“ zu sein – was übrigens nicht einmal stimmt: Das zu Chile gehörende Puerto Williams auf der Isla Navarino liegt noch einige Kilometer weiter südlich. Nebenbei ist Ushuaia das „Tor zu Antarktis“, denn der Hafen ist mit ca. 1000 km Entfernung der nächste. Wer 4.000 US-$ übrig hat, kann hier mit Glück einen Platz auf einem Kreuzfahrtschiff ergattern. Wir haben jedoch ein 15-Personen-Boot vorgezogen, mit dem wir am Samstag morgen 4 Stunden durch den Beagle-Kanal geschippert sind. Nach einer durchzechten Nacht war Joe nicht im Stande, die Reise anzutreten und ließ seine Fahrkarte für 135 Pesos verfallen - unglaublich blöd. Naja. Wir hatten jedoch am Tag zuvor im Nationalpark Bekanntschaft mit einen Spanier und im Hostel mit einer Französin gemacht – so wurde es trotzdem eine lustige und ereignisreiche Bootstour. Es ging ganz nah vorbei am Leuchtturm „Faro les Eclaireurs“, dem Wahrzeichen der Stadt, sowie drei weiteren Inseln, nämlich der Isla Bridges, auf der wir Überreste der Yamaná-Kultur (Ureinwohner Feuerlands) und die einheimische Fauna gezeigt bekamen, der Isla de Pájaros mit einer Kormoran-Kolonie (Kormorane sehen aus der Ferne fast aus wie Pinguine :-) ) und - zum Höhepunkt – der Isla de los Lobos. Dort lebt eine Seehundkolonie!!! Schon im Hafen waren uns einige Seehunde gefolgt – wir konnten unser Glück kaum fassen! Vor und auf der Insel tummelten sie sich dann in Scharen. Mir war gar nicht bewusst, wie schnell sie sind, konnten sie doch ohne Mühe unserm Schiff folgen. Totaal coool!!!!!!! Ansonsten haben wir ein leckeres Essen in einem All-you-can-eat-Restaurant (span.: tenedor libre = „freie Gabel“ ???) und das dort heimische Cerveza Beagle genossen; wir haben uns vollkommen inoffizielle Stempel von Ushuaia und dem Ende der Welt in den Reisepass stempeln lassen und die restlichen Stunden vor unserm Abflug mit einer letzten Wanderung zum Cerro Martial und dem Pseudo-Gletscher Martial verbracht. In Ushuaia war es gar nicht mal so kalt – immerhin 10°C. Auf dem Berg lag jedoch noch Schnee und so war ich besonders beim extrem steilen Aufstieg über eine winzigen Pfad zum Wasserfall froh, warme und schneefeste Kleidung eingepackt zu haben.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Lamas, Gletscher und wunderschoene Aussichten

Zwei schoene, aber super anstrengende Tage in El Chaltén liegen hinter mir. Das Oertchen selbst ist winzig und wie eine riesige Baustelle. Es wurde erst 1985 gegruendet und ist damit die jüngste Stadt Argentiniens. Sie wurde damals aus dem Boden gestampft, um vor Chile Besitzansprueche geltend machen zu koennen und dient den Touristen und Wanderern als Zugang zum Nationalpark. Der Eintritt in denselbigen (uebrigens immer noch der “Parque Nacional Los Glaciares” - wie auch in Calafate, nur diesmal der Nordteil) ist aber umsonst und die Wanderwege beginnen direkt vor der Tuer. Am Dienstag sind wir gegen 12 Uhr mit dem Bus aus Calafate angekommen. So blieb uns bis Sonnenuntergang noch genuegend Zeit fuer eine 6-stuendige Wanderung zur Laguna Torre mit wunderschoener Aussicht auf den Cerro Torre und den Gletscher davor. Ganz schoen anstrengend - wenn man, wie ich, nicht ans Wandern gewoehnt ist, aber bei der atemberaubenden Landschaft den ganzen Weg ueber nimmt man das ja gerne auf sich :-) Und die 7-stuendige Wanderung zum Cerro Fitz Roy am naechsten Tag war dann fast ein Klacks - bis auf die erste Stunde, in der es fast ununterbrochen steil bergauf ging. Wir sind um halb neun, sobald es hell wurde, gestartet und konnten so den Sonnenaufgang in den Bergen erleben. Nachmittags war dann auch noch genug Zeit fuer einen Café Cortado und ein Stueck Tarta de Limón *mh* im Hostel, bevor unser Bus um 18.00 Uhr wieder nach Calafate abfuhr. Auf dem Rueckweg haben wir kurz Halt in einer Raststaette mitten in der Pampa gemacht – und ratet mal, was wir dort in der Stube vorgefunden haben: Ein zahmes Lama! Es ist den Besitzern zugelaufen und wohnt jetzt eben dort :-) Um 22.00 Uhr waren wir also zurueck in Calafate und 5 Stunden spaeter ging es auch schon weiter in Richtung Ushuaia. Insgesamt haben wir knapp 16 Stunden gebraucht fuer die 1000 km. Allerdings fahren alle Busse in den Sueden ueber Rio Gallegos. So mussten wir dort noch anderthalb Stunden im Busterminal warten, bevor wir umsteigen konnten. Der Weg fuehrte durch die endlosen Steppen Patagoniens. Unterwegs haben wir nicht nur jede Menge Schafe, sondern auch immer wieder wilde Lamas und zweimal auch Nandus gesehen. Auf Grund des Grenzverlaufs, mussten wir zweimal die chilenische Grenze ueberqueren, um nach Feuerland zu kommen. Dafuer habe ich aber jetzt nicht nur den argentinischen und den uruguayischen Stempel, sondern auch noch den chilenischen in meinem Pass :-) Aber nicht, dass es irgendwie moeglich waere, den argentinischen Ausreise- sowie den chilenischen Einreisestempel in einem Rutsch zu bekommen (wie das sonst der Fall ist) - nein, nachdem wir "ausgereist" waren, durften alle wieder in den Bus steigen, der uns dann 300 m weiter zur chilenischen Einreisebehoerde fuhr, wo alle wieder aussteigen mussten, um nach Chile "einzureisen". Die Einreisebestimmungen fuer Chile sind ziemlich streng, was Agrarprodukte etc. angeht. So mussten Aepfel und Kaesesandwiches noch schnell vor der Grenze vernichtet werden, bevor unser Handgepaeck durchleuchtet wurde. Anschliessend gings es mit dem ganzen Bus fuer 20 min auf die Faehre, um die "Estrecha de Magallanes", die Magellanstrasse, zu ueberqueren. Ich habe unterwegs einen kleinen Delfin gesichtet - die Fauna ist sooo toll hier :-) Dann war unsere 4-stuendige "Chile-Reise" auch schon wieder beendet und schliesslich sind wir am Ende der Welt angekommen, in Ushuaia. Morgen werden wir wohl erst mal in den 12 km entfernten Nationalpark "Parque Nacional Tierra del Fuego" fahren und dort etwas wandern und am Samstag vielleicht eine Bootstour durch den Beagle Canal machen, bei der es u.a. zu einer Insel mit einer Seehundkolonie geht. Samstag Abend geht unser Flieger zurueck ins warme Buenos Aires und die 8 Tage sind schon wieder rum. P.S.: Heute ist übrigens Halbzeit, Bergfest sozusagen: In 58 Tagen geht es wieder nach hause :-)

Montag, 28. April 2008

Flamingos (span.: flamencos)

Wir sind immer noch in Calafate... Wir haben fuer die ersten 6 Tage ein Paket gebucht, aber die Informationen der einzelnen Veranstalter waren nicht so ganz abgestimmt. Im Hostel hatte man uns gesagt, wir wuerden um 8 Uhr am Hostel abgeholt – tatsaechlich haetten wir aber am Busbahnhof sein muessen. Sehr toll, der Bus war also weg. Da es hier nur ein Busunternehmen gibt, das nach Chaltén faehrt, und das auch nur einmal am Tag (zumindest jetzt, wo die Saison vorueber ist), sitzen wir fuer heute in Calafate fest. Die Stadt ist ziemlich klein, daher gab es nichts mehr zu sehen und fuer Ausfluege in die Umgebung war es auch schon zu spaet, bis wir alle Umbuchungen geregelt hatten – aber, Gott sei Dank, konnte alles umsonst umgebucht werden (schliesslich war es nicht unser Fehler), so dass es jetzt morgen frueh fuer nur noch anderthalb Tage nach El Chaltén geht. Eben waren wir noch einmal in der Laguna Nimez, direkt am Lago Argentino und... wir haben wilde FLAMINGOS gesehen :-))) – sehr cool, besonders, sie fliegen zu sehen (was man ja im Zoo niemals beobachten kann). Die Lagune war immer noch ueberschwemmt, so konnten wir nicht allzu nah ran, aber wir haben unser Bestes getan und sind durch den Matsch gestiefelt, um moeglichst nah heranzukommen – fuer ein paar Fotos hat es gereicht :-)

Sonntag, 27. April 2008

El Perito Moreno Glaciar - ¡Qué liiindo!

Wow, der Gletscher ist unglaublich!!! Ich bin immer noch total begeistert…kann es gar nicht fassen, dass ich das wirklich mit eigenen Augen sehen durfte. Leider kann ich hier vom Hostel aus keine Fotos hochladen, aber das hole ich dann am Sonntag nach…und es werden viiiele sein. Ich habe alleine gestern und heute schon eine eine ganze 256 MB-Speicherkarte vollgeknipst. Aber der Gletscher ist so unglaublich, dass man immer wieder neue Perspektiven und tolle Details entdeckt, die es sich zu fotografieren lohnt. Mit meinen Fotos kann ich eine ganze Postkartenkollektion herausbringen :-) Jetzt im Herbst ist wohl auch mit die schoenste Zeit, um sich den Gletscher anzuschauen. Er ist naemlich umgeben von Bergen, deren Haenge durch die gefaerbten Blaetter rot leuchten und auf den Gipfeln liegt Schnee. Kalt ist es hier allerdings. In der Stadt sind es schaetzungsweise 7 Grad, aber weiter draussen ist es kaelter und recht windig. Aber dafuer ist die Ruhe und die frische Luft eine Wonne – es tut so gut, mal aus der riesigen, immer lauten Stadt herauszukommen, vor allem auch nach dem Smog, der durch die Feldbraende im Tigre-Delta ueber Buenos Aires lag - hinein in die endlosen Weiten Patagoniens. Gestern sind wir nach einem Zwischenstop in Bariloche wohlbehalten am Aeropuerto von El Calafate angekommen. Unser Hostel ist richtig gemuetlich und gut ausgestattet. Die Stadt ist zwar klein und mittlerweile natuerlich auch ziemlich touristisch, aber sehr nett. Es gibt viele kleine Geschaefte, z.B. auch mit typisch patagonischen Produkten…ich werde wohl nicht um die leckere Schokolade herumkommen ;-) Allerdings ist alles ziemlich teuer – im Vergleich zu den Preisen, die wir aus Buenos Aires gewoehnt sind. Gestern Abend wollten wir uns eigentlich die Laguna Nimez ansehen. Diese war jedoch ueberflutet. So haben wir ein paar schoene Sonnenuntergangsfotos am zweitgroessten See Suedamerikas, dem Lago Argentino, an dem Calafate liegt, gemacht und sind anschliessend in einem sehr gemuetlichen Restaurant essen gegangen. Ich habe eine patagonische Spezialitaet gegessen, naemlich auf der Parilla gegrilltes patagonisches Lamm – es war sooo lecker, einfach perfekt! Heute stand dann der Ausflug zum 80 km entfernten Perito Moreno Gletscher im Nationalpark “Parque Nacional Los Glaciares” auf dem Plan. Wir haben viel ueber Gletscher im Allgemeinen und ueber den Perito Moreno Glaciar im Speziellen gelernt – das moechte ich jetzt nicht alles wiedergeben, aber vielleicht ein paar Details, die die Groessenverhaeltnisse des Gletschers verdeutlichen, denn es ist wirklich kaum vorstellbar: Der Gletscher selbst ist 14 km lang. Die beiden Arme des Sees, die der Gletscher trennt, der “Canal de los Témpanos” und der “Brazo Rico”, sind 1,8 und 2,4 km breit. Dort sind wir mit dem Schiff bis auf ca. 200 m an den Gletscher herangefahren – es wirkt winzig gegen die 55 m hohen Kanten. Der Gletscher ist einer der wenigen weltweit, der noch waechst, jeden Tag ca. einen halben Meter. Durch die unterschiedliche Dichte und die variierenden Lichtreflexionen sieht der Gletscher teilweise weiss, teilweise jedoch richtig blau aus. Alle paar Jahre bricht der “Damm”, der die beiden Arme voneinander trennt – dieses Ereignis steht jetzt wahrscheinlich kurz bevor – und verbindet sie dann wieder. Das Beeindruckenste, was wir heute gesehen haben, war jedoch das Absplittern von Stuecken vom Gletscher (der Gletscher "kalbt"). Dabei entstehen Gerauesche, wie bei einer Explosion. Diese Explosionen verlaufen manchmal wie Kettenreaktionen. Man hoert diese Gerauesche immer alle paar Minuten, sieht die Absplitterungen aber nur hin und wieder. Wir konnten am Ende beobachten, wie sich ein riesiges Stueck loeste, aus 50 m Hoehe ins Wasser krachte und grosse Wellen ausloeste. Dieses Ereignis tritt so unerwartet auf, dass es kaum moeglich ist, rechtzeit zu filmen oder zu fotografieren. Gluecklicheweise hatte ich die Kamera rechtzeitig zur Hand und hoffe, dass man das Herabfallen der Eisstuecke einigermassen erkennt. Es war wirklich beeindruckend. Nachdem wir mit dem Boot an die Gletscherkante herangefahren waren, sind wir mit dem Bus weiter zur den Treppen und Balkonen gefahren, die sich ueber den ganzen Hang eines Berges schlaengeln. Man sieht den Gletschern aus so vielen Perspektiven, dass wir dort zwei Stunden verbracht haben. Ich kann wirklich nur jedem, dem sich irgendwann einmal die Moeglichkeit bietet, raten, hierher zu kommen! Es ist ein wunderschoenes Naturschauspiel – auf den Fotos koennt ihr euch davon dann naechste Woche selbst ueberzeugen :-) Morgen geht es mit dem Bus weiter in das 220 km entfernte El Chaltén, wo wir zweieinhalb Tage verbringen, bevor wir nach El Calafate zurueckkehren - Berichte folgen selbstverstaendlich!

Samstag, 26. April 2008

Jetzt gehts los!

Bin gerad auf'm Sprung... in zwei Stunden geht unser Flieger nach El Calafate. Theroretisch gibt es im Hostel einen Internetanschluss - ich weiß aber nicht, ob ich in den nächsten 8 Tagen dazu komme, live aus Patagonien und Feuerland zu berichten. Ansonsten müsst ihr euch bis Sonntag, den 4. Mai gedulden. Fotos werde ich natürlich in Mengen schießen und euch dann exclusiv zur Verfügung stellen ;-) Also dann, ich wünsche euch eine schöne Woche und natürlich eine schöne Mainacht - meinen lieben Schwestern noch eine schöne Zeit in St. Petersburg und Dir, René, einen wunderschönen Geburtstag :-) Ich denk an Euch!

Freitag, 18. April 2008

Vamos a Patagonia y Tierra del Fuego!!!

„Riesige Rauchwolke legt Buenos Aires lahm“ – so titelte heute der Kölner Stadtanzeiger (http://www.ksta.de/html/artikel/1207464779425.shtml). Und tatsächlich, seit gestern liegt hier eine Rauchwolke über der Stadt, die alles in einen leichten Nebel hüllt. Und warum? Weil irgendwelche Bauern ihre Felder über 50 km nördlich der Stadt angezündet haben, um sie „zu säubern“. Dann sind die Brände außer Kontrolle geraten – was aber wohl schon 3 Wochen her ist! Laut argentinischer Tageszeitung ist der Smog nicht schädlich…na hoffen wir es mal. Jetzt, heute Nachmittag, ist es allerdings klarer geworden und es riecht nicht mehr so unangenehm. Am Dienstag, als ich von der Uni kam, war hier über mehrere Cuadras der Strom für 15 min. weg und alles lag im Dunkeln. Das war schon komisch: Ich kam gerade aus der Subte und jemand vor mir zeigte ganz entsetzt auf die riesige Shoppingmall „Abasto“ direkt an der Haltestelle – diese wird sonst immer von allen Seiten angestrahlt. In den Café’s, an denen ich vorbeikam, saßen die Leute bei Kerzenschein und die kleinen Straßen in Almagro selbst waren teilweise vollkommen dunkel; vor allem toll, weil es hier nicht unbedingt selbstverständlich ist, dass die Autos gut beleuchtet sind – manch einer fährt auch nur mit einem funktionierenden Scheinwerfer, mit Standlicht oder hält es überhaupt nicht für nötig, Licht einzuschalten, auch nicht bei vollkommener Dunkelheit. Bin aber trotzdem heil nach hause gekommen und als ich die Haustür aufschloss, ging prompt das Licht wieder an :-) Tja, solche Dinge erlebt man hier auch – wir sind eben doch in Südamerika! Ansonsten bleibt eigentlich nur Folgendes zu berichten: Ich fahre zusammen mit meinem englischen Mitbewohner Joe nach Patagonien und Feuerland - und zwar für 8 Tage! Am 26. April fliegen wir vom nationalen Flughafen Jorge Newberry in BsAs nach El Calafate. Dort werden wir eine Tour zum Perito Moreno Gletscher unternehmen (einfach mal bei Google Bilder „Perito Moreno Gletscher“ eingeben - und neidisch werden ;-) – nee, ich will euch ja nicht ärgern). Anschließend geht es für 3 Tage ins 220 km entfernte El Chaltén. Dort kann man wohl auch tolle Trekking-Touren machen, z.B. mit wunderschönen Aussichten auf den Fitz Roy. Am 5. Tag geht es wieder zurück nach El Calafate und donnerstags weiter nach Ushuaia auf Feuerland, „Tierra del Fuego“. Ushuaia ist übrigens die südlichste Stadt der Welt - „el fin del mundo“ – und über 1000 km von El Calafate entfernt, also rund 20 Busstunden inkl. Fähre und zweimaliger Grenzüberquerung nach Chile und wieder zurück. Die Distanzen hier sind echt unglaublich und deshalb fliegen wir am 3. Mai die ca. 3250 km von Ushuaia auch wieder zurück nach Buenos Aires. Ich bin echt gespannt, wie das wird!! Bisher habe ich nur tolle Berichte gehört und unglaublich schöne Fotos gesehen. Yeeeeeeeeeeeah, Patagonien, ich komme!!!!!

Montag, 14. April 2008

La Antorcha Olímpica venió a Buenos Aires!

Das war’s dann wohl mit dem schönen Wetter :-( … seit drei Tagen ist es bewölkt, es regnet hin und wieder und ich finds richtig kalt *brrr*. Habe hier gestern zum ersten Mal mit Pulli gesessen. Naja, ist ja schließlich Herbst hier – Mitte Oktober quasi. Vielleicht habt ihr’s in den Nachrichten mitbekommen – am Freitag war die Olympische Flamme in Buenos Aires, zum allerersten Mal überhaupt. Es gab zwar kleinere Proteste, aber alles ist ausnahmsweise friedlich abgelaufen. Wir wollten uns das Spielchen mal ansehen, hatten aber keinen genauen Zeitplan. Und als wir beim Obelisco ankamen, hatten wir den Fackelzug knapp verpasst. Naja, macht nix. So spannend wäre die Sache wohl auch nicht gewesen. Und ich kann zumindest sagen: „Ich war da!“ :-D. Auf der Plaza de la República war dennoch jede Menge los inkl. Olympia-Ständen und vereinzelten Protestlern. Eine Tangoshow durfte natürlich auch nicht fehlen. Über den Weg der Fackel verteilt waren laut Nachrichten über 5000 Polizisten und Sicherheitskräfte eingesetzt – so viele wie das letzte Mal vor 30 Jahren zu Zeiten der Militärdiktatur bei der Fußball-WM 1978. Aber doch interessant zu sehen, dass es der hiesigen Polizei selbst an einer der riesigen, unglaublich unübersichtlichen Kreuzungen auf der breitesteten Straße der Welt möglich ist, den Verkehr umzuleiten und sie teilweise sogar kurzfristig zu sperren…einfach unglaubliche Dimensionen - das denke ich mir jedes Mal wieder, wenn ich die Avenida 9 de Julio mit ihren mehr als 20 Spuren überquere. Gestern Abend haben wir mal wieder das argentinische Nachtleben ausgetestet - wie bisher jedes Mal mit einer sehr internationalen Besetzung. Zuerst waren Helena, Karo aus Belgien (eine ihrer Reisebekanntschaften) und ich bei einer Argentinierin, die Helena in Peru kennengelernt hatte, zum Essen eingeladen. Sie hatte typisch nordargentinische Spezialitäten beim Lieferservice bestellt, die uns bis dato unbekannt waren - so sind mir leider die Namen dieser Delikatessen entfallen. Es handelte sich dabei jedenfalls um zwei Eintopfgerichte (eines davon mit Kürbis, der hier sehr oft verwendet wird) und ein süßliches Püree aus verschiedenen Maissorten in Maisblättern verpackt …mmmhh…ricísimo! Und, na klar, Empanadas gab es auch :-) Um halb 11 machten wir uns dann mit dem Taxi auf den Weg in ein „Beer house“ in der Nähe unserer Uni. Dort spielte eine Band israelische Musik, zu der 4 Argentinier/innen tanzten bzw. schauspielerten…es war richtig klasse und eine tolle Stimmung! Da es relativ voll war, wurden noch zwei Personen an unseren Tisch gesetzt – zwei Langzeitweltreisende, ein Franzose und eine Schweizerin, die sich uns später glatt anschlossen, um zusammen ein paar Cuadras weiter in eine Bar zu wechseln. Diese ist in einem Haus untergebracht, über 3 Stockwerke verteilt, die wie schicke, private Wohnzimmer wirken zzgl. Terrasse und Garten…alles sehr schick und daher auch ein wenig teurer, aber wenn man für einen super großen Daiquiri aus frischen Erdbeeren trotzdem nur 4 € bezahlt, kann man sich kaum beschweren. Witzigerweise stießen wir dort auf zwei meiner Mitbewohner, obwohl ich nie zuvor von der Bar gehört hatte – wie klein BsAs doch ist. Als die dann um 03:45 weiter in Richtung Disko zogen, habe ich mich aber doch verabschiedet…das Nachtleben hier ist wirklich anstrengend!

Montag, 7. April 2008

Endlich! Straßentango in San Telmo

Schon wieder fünf Tage vorbei seit meinem letzten Eintrag…die Zeit vergeht wie im Flug. Mittlerweile hab ich den ersten Monat voll und ein Viertel der Zeit ist rum. Am Freitag hatte ich hier meine erste Spanischstunde und sie war echt gut. Die Lehrerin ist nett und nur ein paar Jahre älter als ich. Ich musste natürlich viel Spanisch sprechen – wie soll es auch anders sein bei Einzelunterricht – und in der nächsten Stunde bekomme ich die Kursinhalte. Aber ich denke, das wird ein guter Kurs, in dem ich in den 3 Monaten wirklich viel lernen kann :-) Letzten Mittwoch war hier schon wieder ein Feiertag, diesmal zum Gedenken an die Gefallenen im Krieg um die Falklandinseln (hier aber bloß nicht „Falkland Islands“, sondern immer nur „Islas Malvinas“!). Naja, jedenfalls wollten Helena, Maria und ich den freien Tag nutzen, um uns den japanischen Garten in Palermo anzusehen und anschließend Sushi essen zu gehen. Der Eingang war nicht auf der Karte eingezeichnet und der Garten selbst kleiner als erwartet. So sind wir anderthalb Stunden durch die Palermo-Parks gelaufen, bis wir dann tatsächlich mal den Eingang zum Jardín Japonés gefunden hatten. Da war es fünf vor sechs. Und um sechs machte der Park zu, jaaa. Also haben wir ein Taxi zu einem Sushi-Restaurant in Palermo Viejo genommen…der Fahrer war doch tatsächlich ein Japaner und freute sich, dass wir japanisch essen gehen wollten. Machen wir es kurz: Das Restaurant öffnete erst um acht und unseren japanischen Tag müssen wir ein anderes Mal nachholen. Wir waren aber trotzdem lecker essen. Unterwegs haben wir übrigens einen Barbiestore inkl. „Barbie Beauty Center“ gefunden - ganz in Pink mit pinker Einrichtung, pinken Kleidchen für kleine pink-liebende Mädchen, einem Café mit pinken Keksen und einem rosa-pinken Barbie-Auto davor; und dann roch es auch noch im ganzen Laden nach einem kaugummimäßig-pinkem Barbie-Parfüm *aaaaaaaaaaaahhhh*. Aber es war schon wieder so extrem, dass wir uns dieses Phänomen unbedingt näher anschauen und es fotografisch dokumentieren mussten. Die Barbies haben hier übrigens "argentinische" Gesichter - sind aber trotzdem groß, blond und hellhäutig - so gar nicht argentinisch :-) Kurz vorher wurden wir auf der Straße von einer französischen Touristin etwa gleichen Alters angesprochen, die uns erst ganz fasziniert angesehen hatte und uns dann fragte, ob wir nicht Lust hätten, mal mit ihr wegzugehen, weil sie unbedingt ihr Deutsch verbessern wolle. Ääh, ja. Es gibt schon Sachen hier… Interessant ist hier auch das Dienstleistungsangebot. So sieht man des Öfteren Angestellte aus Cafés / Bars / Restaurants mit einem Tablett (z.B. mit Kaffee und Kuchen) über die Straße eilen; unsere Lieblingseisdielenkette hat eine Kolonie „Pizzataxi“-Fahrräder (na, ihr wisst schon, was ich meine); eine Maschine Wäsche waschen, trocknen und bügeln lassen kostet in der Lavandería 8 Pesos (derzeit 1,60 €). Am besten gefällt mir aber der Service vom Coto-Supermarkt bei mir um die Ecke: Da kann man ganz normal einkaufen und – anschließend lässt man sich die Sachen nach hause bringen…sehr praktisch, wie ich finde, so muss ich nicht jeden zweiten Tag den 5-Liter-Wasserkanister (+ sonstige Einkäufe) die viereinhalb Cuadras nach hause schleppen. Bedingung ist lediglich, dass nur innerhalb von 5 Cuadras geliefert wird und man mindestens 100 Pesos (20 €) da lässt. Da zahle ich die 3 Pesos für diesen Service doch gerne :-) Heute bin ich, wie so oft sonntags, über eine Feria geschlendert – diesmal wieder über die Feria de San Telmo. Und eeendlich…dort habe ich richtigen Straßentango zu Gesicht bekommen…hach, war das toll!!! Mitten auf der Plaza Dorrego, umgeben von den ganzen Ständen, die Antiquitäten verkaufen, war eine Fläche mit Tanzmatten ausgelegt. Aus großen Boxen wurde ununterbrochen Tango gespielt. Drumherum saßen und standen jede Menge Leute (relativ wenig Touristen, aber viele Einheimische), freuten sich der Show und genossen ihren Mate (grüner Tee - yerba mate - getrunken aus einem bauchigen Gefäß - dem mate (meist aus einem Kürbis - der calebaza – geschnitzt) - mit einem metallenen Röhrchen mit eingebautem Sieb – der bombilla – ein sehr geselliges Ritual der Argentinier…ihr erinnert euch…?). Anfangs tanzten mehrere Pärchen - Umstehende, die gerade Lust hatten, ihre Tangokünste zum Besten zu geben…schon eine tolle Atmosphäre…aber dann gab es auch eine professionelle Show eines Pärchens…wirklich atemberaubend, das lässt sich nicht auf Fotos festhalten! Ich habe bestimmt anderthalb Stunden an der Plaza Dorrego gestanden und zugeschaut...

Mittwoch, 2. April 2008

Alltag... acá en la Argentina

Ihr seht schon: Die Einträge werden weniger, es ist nicht mehr alles neu, der Alltag kehrt ein. Und ich bin schon, sage und schreibe, 4 Wochen hier, in Buenos Aires en la Argentina. Manchmal ist es immer noch unbegreiflich. Kennt ihr das Buch, oder besser noch das Hörspiel, „Resturlaub“ von Tommy Jaud („Vollidiot“). Darin flieht die Hauptperson kurz entschlossen aus ihrem „alten Leben“ nach Buenos Aires. Ich habe es ein paar Wochen vor meinem Abflug gehört und fand es damals schon toll, wie „Pitschi“ die Stadt erlebt. Ich habe vieles wiedererkannt, was ich z.B. im Reiseführer gelesen hatte. Jetzt habe ich es noch einmal gehört, jetzt wo ich die Stadt selbst kennenlernen durfte…echt toll und sehr lustig, alles wiederzuerkennen und oft auch nach zu empfinden – so als Deutscher im fernen Südamerika… Aber ich schweife ab... Wie gesagt, bei mir ist so etwas wie Alltag eingekehrt. Ich erlebe nicht mehr jeden Tag 1000 neue Dinge und mache 1000 tolle Fotos. Aber es ist irgendwie schön, nicht mehr so anstrengend. Ich fühl mich wohl hier. Auch wenn es schon so einige Dinge gibt, die ich vermisse (und dabei meine ich gar nicht mal nur die lieben Menschen). Doch. ich fühl mich wohl hier und nicht mehr ganz so fremd. Nein, die Uni ist nicht so doll, aber die Zeit ist begrenzt. Es tut auch mal gut, Zeit für mich zu haben, Zeit, Neues zu entdecken, Zeit, mein Spanisch zu verbessern. Diese Woche beginnt mein Spanischkurs. Eigentlich sollte er heute beginnen und eigentlich sollten wir mindestens zu zweit sein. Jetzt beginnt er erst am Freitag und ich mache ihn alleine, komplett alleine. Ich bin mal gespannt, wie das wird, aber besser und schneller kann man doch eigentlich gar nicht lernen, oder? Es geht dabei weniger um die Grammatik und ums Schreiben – das, und auch das Verstehen der Fachliteratur -klappt nach 5,5 Jahren Spanischunterricht doch wirklich gut. Der Schwerpunkt wird auf dem Sprechen und Verstehen des argentinischen Castellano’s liegen – und das ist genau das, was ich momentan noch brauche. Ich merke schon, dass ich in den 4 Wochen hier Fortschritte gemacht habe, aber da ich ja die Zeit und die Möglichkeit habe, auch noch was Unterricht zu bekommen, nutze ich sie – denn schließlich war das mein Ziel für die 4 Monate, mein Spanisch zu „perfektionieren“. Am Samstag habe ich übrigens zum ersten Mal richtigen Tango argentino gesehen. Helena und ich haben uns eine Show im ältesten Café der Stadt (150 Jahre), dem Café Tortoni, angesehen. Die Show hat uns 50 Pesos gekostet (der Kurs ist von 1 zu 4,5 mittlerweile auf 1 zu 5 angestiegen :-), also 10 €) inkl. Tischreservierung. Wir waren allerdings ein wenig enttäuscht. Die Show war schon seeehr touristisch aufgezogen („Welche Länder sind heute Abend anwesend?“….“Brasil“…tätätäää…und ein brasilianisches Begrüßungslied…tätätäää „Welches Land noch?“… und weiter gings…*würg*), aber wir haben immerhin mal richtigen argentinischen Tango getanzt, gesungen und gespielt gesehen. Beim nächsten Mal werden wir allerdings eine kleinere und unbekanntere Tangobar vorziehen. Bei mir um die Ecke, 2 cuadras weiter, gibt es z.B. eine, „Almatango“…vielleicht ist die ja was… Fotografieren durfte man übrigens auch nicht, von daher könnt ihr euch nur das Café Tortoni selbst ansehen. Aber ich hoffe ja immer noch darauf, mal richtigen „Straßentango“ zu sehen…ich denke, die Gelegenheit wird sich mir schon noch bieten. Zwischendurch genieße ich mein Juanes-Album - zugegeben kolumbianischen Ursprungs. Liebe Leute, ich habe mich weiterhin über eure Mails, Grüße, Anrufe (Skype sei Dank) oder auch meine erste „richtige“ Post hier gefreut…macht weiter so! So bin ich Euch nicht allzu fern, trotz gut 11.000 km Luftlinie und 5 Stunden Zeitverschiebung. Ich denk an Euch!

Mittwoch, 26. März 2008

Sonne, nichts als Sonne

Ich hab gehört, bei euch schneit’s? Tja, ich hab mir am Montag nen leichten Sonnenbrand geholt. Ja, ich hab es geschafft, meinen lang ersehnten Strandtag nachzuholen – zumindest fast. Bei strahlendblauem Himmel und an die 30°C haben Helena und ich am Montag fünf Stunden im Naturschutzgebiet „Reserva Ecológica Costanera Sur“ verbracht. Es sind von mir aus nur 7 Stationen mit der Subte (U-Bahn) und schon ist man in Puerto Madero, dem Hafenviertel. Da gibt es eine sehr schöne und langgezogene Promenade direkt an den 4 Hafenbecken (Diques) entlang und erst dahinter, zum Meer raus, liegt das Naturschutzgebiet. Ursprünglich sollte es in den 80ern, genau wie Puerto Madero selbst, mit hochmodernen, schicken Büro- und Wohngebäuden bebaut werden. Die Natur war jedoch schneller und so gibt es dort jetzt ein richtig großes und naturbelassenes Naturschutzgebiet; es komplett zu durchlaufen dauert 2,5 Stunden. Es ist einer der wenigen Orte in dieser riesigen Stadt, an dem es wunderbar ruhig ist und keine Großstadtgeräusche zu hören sind. Also, wenn man genug hat vom Lärm, von den Menschenmassen und der Reizüberflutung auf den Straßen von Buenos Aires, findet man hier den perfekten Ort, um ein paar Stündchen auszuspannen, wirklich sehr schön. Was uns besonders beeindruckt hat, war, dass durch die Pampasgrasweiten die riesigen, modernen Hochhäuser von Puerto Madero so nah schienen und man sich trotzdem wie mitten in der Pampa gefühlt hat…Großstadtdschungel eben. Außerdem ist es der einzige Ort in dieser Stadt, an dem man sich sicher mit dem Fahrrad fortbewegen kann. Und so kamen uns Horden von Radfahrern entgegen, die man auf den Straßen sonst vergeblich sucht. Mittendrin gibt es immer wieder Wiesenstücke – und so haben wir uns ein schönes Plätzchen gesucht und es uns auf unseren Handtüchern bequem gemacht. Dazu gab es süße Weintrauben und leckere Facturas (kleine Teilchen) – natürlich mit Dulce de Leche, der süßen Karamellcreme, der man hier wirklich überall begegnet, ob als Brotaufstrich, im Eis, im Gebäck oder zum Obst dazu. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es Leute gibt, die so ein Glas Dulce de Leche in ein oder zwei Tagen verputzen ;-) Seit Samstag habe ich übrigens eine neue Mitbewohnerin. Sarah (aus der Schweiz) fliegt in zwei Wochen weiter nach Cuba und verbringt die restliche Zeit bei ihrem Freund. Dafür teilt sich Joe das Doppelzimmer jetzt mit Nora, 26, aus Berlin. Sonntag Abend waren wir übrigens mal wieder auf einer Feria. Von diesen Straßenmärkten, die immer jedes Wochenende stattfinden, gibt es hier in Buenos Aires laut Lonely Planet mindestens sieben – vier habe ich schon besucht – immer in verschiedenen Stadtteilen. Sie waren schon alle ähnlich, aber es lohnt sich trotzdem, die Unterschiede zu entdecken. Am Sonntag waren wir jedenfalls auf dem Feria Plaza Serrano in Palermo Viejo. Um den Platz herum, hatten die ganzen Bars geöffnet und waren vollgestopft mit Klamotten. Es ist mir zuerst gar nicht aufgefallen, dass es keine Klamottenläden, sondern Bars und Clubs waren, doch gegen acht packten dann die einzelnen Händler ihre Klamotten in große Koffer oder zogen einfach so mit den rollbaren Kleiderständern über die Straßen von dannen. Eine Sache wollte ich noch erzählen: Subte fahren, ist schon ein Erlebnis. Schon in Köln mögen die S- und U-Bahnen manchmal proppevoll sein, aber so viele Menschen, wie sich hier in die Subte quetschen – das ist echt unglaublich. Es bringt allerdings auch wenig, auf die nächste zu warten, die ca. 3,5 min später kommt, denn in der Rushhour ist jede Bahn so vollgestopft. Ansonsten, wenn es leerer ist, wird man oft (genau wie auch beim Warten in irgendwelchen Schlangen) von den Leuten angesprochen, wo man denn her kommt, was man so macht und wie einem die Stadt gefällt. Der ein oder andere fördert sogar ein Wörtchen Deutsch oder auch Englisch zu Tage. Das wird aber nicht als Anmache verstanden, sondern die Leute sind einfach freundlich und halten gern einen netten Plausch. Im Gegensatz dazu, wird einem auf der Straße des Öfteren hinterhergepfiffen oder „Hermosa, Hermosa!“ gerufen - selbst Polizisten sollen dieses Verhalten bei Zeiten an den Tag legen – aber aufdringlich wird trotzdem keiner und bedroht gefühlt hab ich mich bisher auch nicht. Ansonsten ziehen manchmal Gitarrenspieler, jonglierende Kinder oder ältere Herrschaften, die ihre Gesangskünste zum Besten geben, durch die Subte. Außerdem tauchen immer wieder Kinder auf (der Jüngste war vielleicht 6), die irgendwelche Dinge verkaufen. Von Stiften und Haargummis, über Groschenromane und Sticker bis hin zu Nähzeug und Adaptersteckern wird hier so einiges an die Leute gebracht. Die Kids flitzen durch die Subte und legen jedem ein Teil auf den Schoß; 2 min später sammeln sie alles wieder ein und wiederholen das Ganze im nächsten Wagen. Allerdings werden diese Leute nicht, wie das bei uns so oft der Fall ist, missbilligend angeschaut oder gar ignoriert, sondern man kauft hin und wieder etwas oder steckt den Künstlern eine Münzen zu. Ich finde, das ist auch so eine Sache, die hier ganz anders läuft, aber durchaus positiv zu sehen ist. Hier ist nicht jeder nur mit sich selbst beschäftigt, sondern man wird meistens sehr freundlich aufgenommen. So, Alex hat mal wieder eine Horde internationaler Studenten eingeladen, die er auf Reisen getroffen hat oder von der Uni kennt, und wird uns seine Kochkünste erneut präsentieren. Liebe Grüße an den Rest der Welt! Eure Saskia

Montag, 24. März 2008

Montevideo y Punta del Este

Erst mal wünsche ich Euch allen Frohe Ostern! Ich habe hier eigentlich nichts vom Osterfest mitbekommen – außer dass in der Semana Santa alle Welt verreist und somit alles ausgebucht ist und dementsprechend auch die Preise angehoben werden. Aber dank lieber Menschen aus meiner Heimat, ist auch bei mir ein wenig Osterstimmung aufgekommen (s. die ersten Fotos im neuen Album). Ich habe das Wochenende mit zwei meiner Mitbewohner, Joe und Sarah, in Uruguay verbracht. Die beiden mussten aus dem Land aus- und wieder neu einreisen, um weitere 90 Tage Aufenthalt in Argentinien zu bekommen. Joe’s drei Monate waren zwar schon seit einem Monat abgelaufen, aber mit 50 Pesos lässt sich das Problemchen am Ausreiseschalter beheben – so einfach ist das hier. Ich brauchte mein Touristenvisum ja jetzt nicht mehr, wie geplant, verlängern, dank meines neuen Studentenvisums, aber mal ein Wochenende aus der Großstadt rauszukommen, war auch ganz schön. Freitag Morgen mussten wir eine Stunde vor Abfahrt, also um 7.00 Uhr in der Früh *gääähn*, am Terminal von Buquebus im Hafenviertel Puerto Madero sein. Wie sich herausstellte, hatten wir uns da eine sehr luxuriöse Fährverbindung rausgesucht. 100 € für eine 3-stündige Fahrt mit einer Schnellfähre nach Montevideo hin und zurück waren nicht allzu teuer, wie wir fanden, aber wahrscheinlich hätten wir es auch billiger haben können. Naja, es war kurzfristig gebucht, von daher schon okay. Jedenfalls hatten wir eine Fähre erwischt, mit der größtenteils die High Society der Argentinier unterwegs war und so konnten wir auf der Hinfahrt von unserm Platz aus all die modebewussten Porteños (Einwohner von Buenos Aires) beobachten, die sich stundenlang im Duty Free Shop aufhielten… wir hatten unsren Spaß ;-) Der erste Blick auf Montevideo vom Schiff aus mit strahlendblauem Himmel versprach ein superschönes Strandwochenende. Darin hatten wir uns allerdings getäuscht. Am Buquebus-Terminal war es so voll, dass wir dachten, wir sind clever und nehmen uns ein Taxi von der Hauptstraße vor dem Hafen aus. Wir wunderten uns schon über die Schranke und Kontrollposten am Ausgang – 5 Minuten später wussten wir dann auch, warum der Eingang so gesichert wurde: Kaum hielten wir am Straßenrand nach dem nächsten Taxi Ausschau, da waren wir auch schon von einer Horde Straßenkinder umzingelt, die uns beklauen wollten. Die Jungs waren so zwischen 8 und 10 Jahren, aber es waren viele und sie sind so dreist und schnell, dass man die Situation nicht unterschätzen darf. Wir hatten das Glück, dass direkt ein Taxi kam und der Taxifahrer uns geholfen hat. Die Kinder griffen sogar durchs offene Taxifenster nach unseren Sachen. Aber der Fahrer gab Vollgas und das Ganze ist noch mal gut gegangen. In solchen Momenten merkt man wieder, wie arm das Land wirklich ist und wie krass die Unterschiede manchmal sind. Unser Hostel, das „Red Hostel“, in Montevideo war vollkommen in Ordnung und zwei Nächte lässt es sich für 13 US $ pro Nacht (inkl. Frühstück und Free Internet) auch in einem 10-Bett-Zimmer aushalten, wenn man sowieso den ganzen Tag unterwegs ist. Abends im Hostel hat sich mal wieder unser völlig vorurteilsfreies Bild der typischen US-Amerikanerin gefestigt. Zuerst fanden wir den Abend ja noch ganz lustig, aber als die Anzahl der Amis in unserem Zimmer schließlich von 3 auf 8 anstieg, war es uns dann doch irgendwann zu anstrengend… die waren einfach so laut, aufmerksamkeitserheischend und selbstverliebt – und wenn dann auch noch der Alkoholpegel steigt und jeder Zug beim Kartenspiel mit „You motherfucker“ kommentiert wird, also dann ist es wirklich Zeit, ins Bett zu gehen… Montevideo stellte sich als nicht allzu faszinierend heraus, allerdings waren auch an Karfreitag die Geschäfte geschlossen und unsere Zeit äußerst begrenzt. Im Gegensatz zu Buenos Aires schien die Stadt mit seinen immerhin 1,2 Millionen Einwohnern geradezu übersichtlich, verkehrsberuhigt und ausgestorben. Mit Köln ist sie jedenfalls nicht vergleichbar. Nachmittags konnten wir noch ein langersehntes Stündchen im Bikini am Strand verbringen. Allerdings war es um halb sechs dann schon zu kühl und zum Schwimmen gehen hat es leider auch nicht gereicht :-( Zu unserer großen Enttäuschung schlug das Wetter am Abend von einem strahlendblauen Himmel in einen Regenguss, Gewitter und Sturm um… und am nächsten Morgen war der Himmel wolkenverhangen. Um elf kamen wir nach 2-stündiger Busfahrt in Punta del Este an. Aber auch hier war das Wetter unverändert und die Sonne hat sich den ganzen Tag kaum blicken lassen. Richtig blöd war allerdings der starke Wind. Wir konnten zwar zwei Stunden am Strand verbringen, aber leider nur in Pulli und Jeans. Dabei sind ein paar lustige Fotos entstanden – und ihr seht, es war wiiirklich windig und kalt (man beachte die immer wiederkehrenden Strandtücher, die sich trotz fehlendem Strandwetter als äußerst nützlich erwiesen). Den Rest der Zeit sind wir durch die Hauptstraße des Örtchen mit seinen Souvenirläden, Restaurants und Cafés geschlendert und schließlich schon zwei Stunden früher als geplant nach Montevideo zurückgefahren. Dort angekommen waren wir im gleichen Restaurant essen wie am Abend zuvor, denn es war soooo super gemütlich, mit einem riesigen Parilla (Grill), auf dem das Fleisch direkt vor unseren Augen zubereitet wurde. Wir haben alles fotografisch festgehalten und so Bekanntschaft mit der total netten Kellnerin geschlossen. Mein zweites argentinisches Steak (Bife de Lomo) hat das erste nochmals übertrumpft! Dazu gab es gegrilltes Gemüse, ein süßes Kartoffelpüree und natürlich Vino tinto. Am zweiten Abend hab ich mich für Lachs mit süßer Currysauce und Cremé Brulée als Postre entschieden… unglaublich lecker alles!!! Es lohnt sich wirklich schon allein wegen den kulinarischen Genüssen nach Argentinien zu kommen! (Okay, hier war es Uruguay, aber die Zubereitungsart war schon dieselbe.) So kurzfristig, wie wir unseren Kurztrip geplant hatten, so schnell war er auch schon wieder zu ende. Sonntag Morgen ging es um 12:15 mit der Buquebus-Fähre zurück ins schöne, laute, große Buenos Aires. Aber ich gebe die Hoffnung auf einen schönen Strandtag noch nicht ganz auf…

Freitag, 21. März 2008

Argentinische Bürokratie und Stadtrundfahrt

Gestern hatte ich wieder meine Freuden mit der argentinischen Bürokratie: Ich musste mit weiteren Auslandsstudenten der UMSA zur Dirección Nacional de Migraciones, um mein Studentenvisum zu beantragen. Treffpunkt: 8:15 in der Frühe…aber als ich dort ankam, wusste ich schon, warum so früh: Das Gebäude sah aus wie zwei große Lagerhallen - und alles voller Menschen, die zwischen den Schaltern herumstanden bzw. warteten und warteten und warteten. Wie überall in Argentinien, musste man natürlich auch hier Nümmerchen ziehen (jaaa, bei uns kennt man das nur aus dem Rathaus – hier muss man aber auch in der Post, im Reisebüro, in der Bäckerei, in der Eisdiele…eigentlich überall Nümmerchen ziehen– jaaa, die Argentinier lieben Waaaarten). Naja, da wir glücklicherweise mit einer Mitarbeiterin vom Auslandsamt der UMSA da waren, kamen wir auch relativ schnell dran – weil sie quasi eine Beamtin für uns reserviert hatte und die Probleme hielten sich in Grenzen…hatte ich zumindest gehofft. Als ich dran war, konnte ich natürlich die ganzen geforderten Unterlagen, die ich so brav in den letzten zwei Wochen gesammelt hatte, vorzeigen. Aber das wäre ja zu einfach gewesen. Auf meinem frisch erworbenen argentinischen Führungszeugnis hatten die beim Amt meine Passnummer verdreht. Bei den wunderschönen neuen Reisepässen (mit gespeicherten Fingerabdrücken) werden nämlich für die Passnummer nicht nur Ziffern, sondern auch Buchstaben verwendet – was hier irgendwie jeden verwirrt. Naja, jedenfalls hatte ich damals schon auf den Fehler aufmerksam gemacht; mir wurde jedoch – wie sollte es auch anders sein – bestätigt, das wäre kein Problem und ginge halt nicht anders. Tja, die nette Frau vom Migrationsbüro sah das natürlich anders. Also durfte ich mit dem Taxi in Begleitung eines Hochschulmitarbeiters zum Amt fahren, um den Fehler beheben zu lassen, aber bitte „Rápido, rápido!“. Widererwartend ging es dort ganz schnell, dank meiner Begleitung trotz der Menschenmassen (mit Wartenümmerchen), und 15 Minuten später saß ich wieder im Taxi mit dem neu ausgestellten Führungszeugnis. Und um kurz vor 12, dreieinhalb kurzweilige Stunden später, war ich dann stolze Besitzerin eines argentinischen Studentenvisums. Nach diesem wunderschönen Start in den Tag, entschloss ich mich, endlich die lang ersehnte Stadtrundfahrt mit dem Open-Top-Bus zu machen, da ich nun auch schon mal ganz in der Nähe des Abfahrtortes war. Die verbleibenden zwei Stunden habe ich dann in einem gemütlichen Café mit einem kleinen Mittagessen, einem doppelten Café Mocca, einem superleckeren Lemon Pie und einem guten Buch verbracht. Die anschließende Stadtrundfahrt in den Süden der Stadt war dann auch richtig gut, inkl. Infos über Kopfhörer und zwei Zwischenstopps. Es ging durch die Innenstadt, über die Avenida 9 de Julio - „die breiteste Straße der Welt“ - am Obelisco vorbei zum ersten Stopp am Plaza de Mayo. Weiter ging es durch San Telmo und La Boca, vorbei am berühmten Fußballstadion der Boca Juniors, La Bombonera. In La Boca war dann auch der zweite Stopp, wo wir durch El Caminito, den berühmten Straßenzug mit den bunten Häusern, laufen konnten. Fälschlicherweise werden diese oft als Markenzeichen der Stadt ausgegeben; man findet sie jedoch nur in diesem einen Straßenzug im Arbeiterviertel La Boca, der äußert touristisch aufgezogen ist. Sich El Caminito mal anzusehen, war trotzdem schön – schaut euch einfach die Fotos an. In den angrenzenden Straßen des Viertels soll man sich übrigens gar nicht erst aufhalten, vor allem natürlich nachts nicht – diese Warnung ist tatsächlich ernst zu nehmen und taucht beispielsweise auch im Lonely Planet als „La Boca Warning“ auf. Das Ende der Tour ging dann durch das schicke Hafenviertel Puerto Madero, das erst 1998 erbaut wurde. Dort, am Yachthafen, war ich heute auch mit Helena. Diese Fotos kann ich allerdings erst nächste Woche einstellen, weil ich keinen Fotoapparat dabei hatte… Gestern Abend hat Alex, mein bulgarischer Mitbewohner, für uns alle und 4 weitere Mädels (denen er wohl mächtig imponieren wollte) gekocht. Es war sein erster eigenständiger Kochversuch, für den er vorgestern unter Anleitung zweier Mädels geprobt hat. Naja, das Ergebnis war entsprechend: Das Risotto schmeckte angebrannt und der Salat sowie die Obstspieße mit Dulce de Leche waren auch nix besonderes (bin ich nicht fies). Trotzdem war es ein sehr lustiger Abend in gemütlicher, internationaler Runde (sehr europäisch geprägt, aber eine Argentinierin war auch dabei) und mit leckerem, argentinischen Vino tinto. Habe ein paar Fotos davon in das Album mit den WG-Bildern gestellt. So, jetzt geh ich aber schlafen. Morgen muss ich schon um halb sechs raus, weil wir um 7 am Hafen sein müssen und dann geht’s für zweieinhalb Tage nach Uruguay und hoffentlich an den Strand und ins Meer :-))) Ich wünsche euch allen frohe Ostertage!

Dienstag, 18. März 2008

Cementerio de la Recoleta

Hallo ihr lieben Leute in der Ferne! Wie versprochen, heute mehr zu unseren gestrigen Erlebnissen auf dem „Cementerio de la Recoleta“. Das war schon eine seltsame Erfahrung, anderthalb Stunden über einen Friedhof zu laufen, auf dem sich Mengen von weiteren Touristen bewegen, und ungewöhnliche Fotos zu schießen. Aber das ist hier normal, der Friedhof ist tatsächlich eine bekannte Touristen“attraktion“ und der Besuch hat sich schon gelohnt – denn so was hab ich echt noch nie gesehen. Nichts erinnert an einen deutschen Friedhof. Man betritt das riesige Gelände durch das protzige Eingangsportal und bekommt erst mal für 4 Pesos eine Karte des Friedhofes angeboten, auf der jedes „wichtige“ Grab eingezeichnet ist, inklusive Rundgang. Ja, es gibt sogar Führungen. Helena und ich wollten uns allerdings lieber alleine umschauen. Man geht rein und sieht als erstes einen von Bäumen gesäumten Weg…das ist allerdings schon das einzige Grün auf dem gesamten Friedhof. Man fühlt sich wie in einer kleinen Stadt. Man geht durch kleine Straßen von haushohen Mausoleen (Gräbern, wie auch immer) gesäumt – alles aus Marmor oder ähnlich kostspieligen Materialien. Ein Grab ist prunkvoller als das andere. Hier liegen nur die Reichsten der Reichen und alle wichtigen Persönlichkeiten (wie Generäle, Präsidenten) des Landes. Diese werden hier übrigens grundsätzlich an ihrem Todestag, nicht an ihrem Geburtstag, gefeiert. Höhepunkt war natürlich die Grabstätte der berühmten María Eva Duarte de Perón, Evita (deren Geschichte bei uns durch das den gleichnamigen Film mit Madonna…don’t cry for me, Argentina… berühmt geworden ist). Diese haben wir allerdings erst ganz zum Schluss nach einem Blick auf die Karte am Eingang gefunden – gut versteckt in einer engeren Gasse, eines der „weniger“ prunkvollen Gräber. Als wir dort ankamen, drängelten sich allerdings die Touristen in der engen Gasse, um einen Blick zu erhaschen und Fotos zu schießen. Es ist wirklich unbeschreiblich, dieser Prunk auf dem Friedhof. Man sagt: „Es ist billiger, sein ganzes Leben lang in Luxus zu leben, als auf dem Cementerio de la Recoleta begraben zu liegen.“ Schaut euch einfach die Fotos an und seht selbst. Und man wird doch das seltsame Gefühl nicht los, dass man da eigentlich über einen Friedhof läuft, während man die prunkvollen Bauten bewundert… Über Ostern fahre ich übrigens mit Sarah und Joe, meinen Mitbewohnern, für drei Tage mit der Fähre nach Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Den Samstag werden wir in Punta del Este verbringen, dem „Sylt des Rio de la Plata“ – und das bedeutet zum ersten Mal hier Strand und im Meer baden :-)

Montag, 17. März 2008

Vorlesungen auf Spanisch

Meine erste Vorlesungswoche ist vorbei. Im krassen Gegensatz zu meinem Stundenplan an der EUFH habe ich hier für die nächsten vier Monate nur dienstags, donnerstags und freitags, jeweils von 19.00 bis 22.00 Uhr Vorlesungen. Aber ich finde, dass muss auch mal sein :-) Schließlich möchte ich ja auch noch was Zeit haben, Stadt und Umgebung zu erkunden. Ab Anfang April kommt dann noch mein Spanischkurs mit 2 mal wöchentlich 90 min dazu. Eigentlich blöd, dass er erst so spät anfängt - immerhin sind unsere Vorlesungen alle auf spanisch – aber es sind wohl noch nicht alle internationalen Studenten anwesend (es sind schätzungsweise 30 an der ganzen Uni, hauptsächlich Amis). Die erste Vorlesung in Geografía Económica (Wirtschaftsgeografie), war top: In den drei Stunden hab ich erst mal kaum was verstanden. Der argentinische Akzent weicht doch sehr von dem Spanisch ab, dass wir in der Schule / FH gelernt haben und so fällt mir das Verstehen immer noch relativ schwer. Die Dozentin spricht zudem auch noch ziemlich leise. Die beiden weiteren Vorlesungen in Economía Internacional (Internationale Wirtschaft) und Comercialización Estratégica (Strategisches Marketing) erwiesen sich jedoch als weitaus besser. Hier konnte ich den Dozenten sehr gut folgen. Es ist natürlich auch leichter, wenn man sich keinen stundenlangen Vortrag anhören muss, sondern der Stoff an Hand von Beispielen an der Tafel durchgegangen wird. Hinzukam, dass wir den Stoff dieser beiden Vorlesungen auch schon komplett kannten: Erstere befasste sich mit unseren altbekannten Freunden Adam Smith und David Ricardo und Letztere mit den uns nicht gaanz unbekannten 4 P’s des Marketing-Mixes. Na mal schauen, wie es nächste Woche weitergeht... Heute Nacht wurde hier übrigens die Zeit auf argentinische Winterzeit umgestellt. Das heißt, die Zeitverschiebung beträgt nicht mehr, wie bislang, 3 Stunden, sondern jetzt sind es 4 Stunden – allerdings nur für zwei Wochen; dann wird ja auch in Deutschland die Uhr umgestellt – allerdings auf Sommerzeit – und es sind sogar 5 Stunden Zeitverschiebung. Morgen mehr zu unseren heutigen Erlebnissen auf dem berühmten "Cementerio de la Recoleta", dem lt. Lonely Planet "Buenos Aires' Number-One-Event".

Sonntag, 16. März 2008

Einschreibung an der UMSA

Seit dem letzten Eintrag ist uns die Sonne nicht mehr von der Seite gewichen - jeden Tag ein strahlend blauer Himmel und gestern war’s besonders warm. Da lässt sich die Zeit natürlich am besten in einem der vielen schönen Parks in Buenos Aires verbringen :-) Gestern waren wir z.B. im Botanischen Garten in Palermo. Zum auf der Wiese in der Sonne sitzen war es ein schönes Plätzchen, aber sonst hatte er nicht so viel zu bieten. Ich habe noch ein paar Fotos dem letzten Album hinzugefügt – also schaut am besten immer mal wieder rein, wenn ihr meine neuesten Eindrücke sehen wollt. Und da seht ihr es auch – wie versprochen…tadadadaaa…mein erstes echt argentinisches Steak! Und es war wirklich lecker!!! Und das sag ich - wo ich sonst Steaks u.ä. überhaupt nicht mag. Doch gegen die super leckeren Empanadas kommt auch das argentinische Steak bei mir nicht an ;-) Anfang dieser Woche hat unser Semester begonnen und wir hatten die ersten Vorlesungen. Bei der ersten Vorlesungen war ich allerdings anwesend, obwohl es mir strengstens verboten war (das habe ich allerdings erst im Nachhinein so gesagt bekommen)…die Mitarbeiter der Uni sind hier wirklich sehr freundlich und zuvorkommend und jeder weiß, was der andere tut – alles total organisiert…dass ich nicht lache…ich habe mich eine Woche lang versucht einzuschreiben, am Montag durfte ich dann tatsächlich auch den Einschreibungsbogen ausfüllen und sollte am Dienstag dann die Studiengebühren zahlen und meine Kurse wählen. Natürlich war ich dafür auch am Dienstag vor der ersten Vorlesung da – allerdings konnte mich weder die Frau an der Kasse noch die im Sekretariat des Studiengangs im System finden. Obwohl ich dort am Tag zuvor persönlich vorgestellt worden war, meinte die überaus freundliche Frau, sie könne leider nichts für mich tun und ich sollte noch einmal zu Melany von der Auslandskooperation gehen…die hatte natürlich schon Feierabend. Also dachte ich mir: Gut, geh halt jetzt zum Kurs und regele die Formalitäten am nächsten Tag. Uuuh, waren die böse, als sie erfuhren, dass ich es gewagt hatte, zum Kurs zu gehen, bevor ich gezahlt hatte. Naja, war mir dann auch egal, schließlich hat es dann mittwochs doch noch geklappt und jetzt bin ich völlig legal für dieses Semester an der UMSA immatrikuliert. Nachher erfahrt ihr dann mehr über meine ersten Vorlesungen auf spanisch… Hasta luego!

Montag, 10. März 2008

Auf Entdeckungstour

Unglaublich, ich bin schon fast sechs Tage hier…die Zeit verfliegt nur so. Aber langsam gewöhne ich mich an diese Stadt, die auf den allerersten Blick erst mal nur riesig, laut und dreckig erscheint. Riesig…ja, 3 Millionen Einwohner und im Großraum BsAs sogar 12 Millionen – das ist etwas anderes als das „kleine, überschaubare Köln“… Laut… der Verkehr ist extrem, unglaublich viele Taxen und Busse. Verkehrsregeln? Die sind hier überflüssig ;-) Zebrastreifen gelten nichts; Fußgänger müssen sehen, wo sie bleiben… Dreckig… Abgase, Hundedreck wohin man schaut, Mülltüten werden einfach vor die Tür gestellt… Laut… der Verkehr, die Menschenmassen… Aaaaaaaber…weeeiiit gefehlt. Buenos Aires ist sehr kontrastreich und unglaublich faszinierend. Da wechseln sich heruntergekommene Gebäude mit alten, superschönen Gebäuden ab; es gibt viele Parks und Grünstreifen mitten in der Stadt; die Menschen sind wirklich hilfsbereit (wenn man z.B. nach dem Weg fragt) und freundlich (in jedem Geschäft wird man erst mal mit „Hola! Cómo estás?“ begrüßt)… die Stadt hat einfach ein ganz eigenes Flair. In den letzten Tagen habe ich hier schon so viele tolle Orte gesehen und trotzdem erst so wenig von dieser riiiiesigen Stadt. Ich lasse einfach mal die Fotos sprechen. Nachdem ich den späten Mittwochnachmittag nach meiner Ankunft und den Donnerstag erst mal mit dem Einholen der restlichen Dokumente für die Einschreibung an der Uni verbracht hatte, bin ich anschließend zum Plaza de Mayo spaziert, um auch mal ein paar Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Ein Flecken Grün, mitten im Microcentro, mit dem Casa Rosada - dem Regierungsgebäude (Ja, es ist rosa!) - am einen Ende und vielen historischen Gebäuden (z.B. dem Rathaus und der Kathedrale, aber auch der Banco de la Nación) drum herum. Freitag durfte ich mein argentinisches Führungszeugnis in Empfang nehmen und meinen Pass zur Übersetzung bei der von der Uni genannten Übersetzerin vorbeibringen. Wie sich herausstellte, übersetzt sie eigentlich englischsprachige Dokumente und kann kein Wort deutsch. So hat sie mich erst mal gefragt, was die Eintragungen „Deutsch“, „Stadtteil“ und „Blau“ bedeuten. Dafür bekommt sie morgen, wenn ich das übersetzte Dokument abhole, 70 Pesos. Anschließend muss ich es dann noch bei den „Traductores publicos“ für 35 Pesos beglaubigen lassen :-) Und daaaann - wenn meine neue argentinische Versichertenkarte denn eingetroffen ist - kann ich mich endlich bei der UMSA einschreiben, meine Studiengebühren loswerden und meine Kurse wählen. Und am Dienstag beginnen dann die Vorlesungen… Gestern (Samstag) als ich gegen 10:30 aufgewacht bin, schien doch tatsächlich zum ersten Mal die Sonne, seit ich in Buenos Aires bin. Ich habe mich natürlich super gefreut und dachte mir: Das ist die Gelegenheit, um mal ein bisschen braun zu werden. ;-) Also haben Helena und ich uns um 15:00 im Park auf der Plaza San Martín verabredet. Aber – es kam, wie es kommen musste – um 15:00 war der Himmel wolkenverhangen und unser Plan somit gestrichen. Wir wollten jedoch den schönen Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen und sind kurzentschlossen zum Jardín Zoológico nach Palermo im Norden der Stadt gefahren. Im Eintritt von umgerechnet 3,20 € waren der Eintritt in das (zugegeben relativ kleine) Aquarium, Terrarium und Tropenhaus inbegriffen. Der Zoo ist relativ groß (aber nix im Vergleich zum Kölner Zoo) und auch ganz nett gestaltet. Allerdings sahen der eine Tiger, der eine Braunbär, der eine Eisbär, der eine Gepard, der eine äääähhh.….. doch recht traurig aus. Aber die Nutrias (Biberratten) und patagonischen Maras (Pampashasen), die frei herum liefen und sich streicheln ließen, waren schon richtig klasse. Der ach so sonnige Tag ging am Ende unseres Zoobesuches in einen dicken Regenschauer über, so dass ich klitschnass zuhause angekommen bin. Um 22:00 gings dann wieder los, um die argentinische Küche zu testen. Wir trafen uns mit einem US-amerikanischem Mädel, das Helena auf ihrer Reise getroffen hatte, und deren Freundin in einem supergemütlichen Restaurant namens Cumaná im Stadtteil Recoleta. Wie sich beim auf dem Stadtplan suchen herausstellte, ist genau dieses im Lonely Planet (Reiseführer) empfohlen – es konnte dort also nur super lecker schmecken! Mein erstes echt argentinisches Steak lässt leider noch auf sich warten, aber dafür gab es Empanadas, Cazuelas (argentinische Eintopfgerichte) und argentinischen Vino Tinto für knapp 4 € pro Person. Und ja, dieses Restaurant gehört definitiv in einen Reiseführer!!! Der Plan für danach war, das argentinische Nachtleben kennenzulernen. Leider begingen Helena und ich den Fehler, den amerikanischen Mädels zu folgen. Die wollten unbedingt das Basketballspiel ihres College-Teams sehen und so landeten wir in einer Sportsbar voller Amis… DAS war unser Kulturschock für den gestrigen Tag. Unsere Rettung war die SMS von Maria, der anderen Kommilitonin von der EUFH in BsAs , und so sind wir noch für zwei Stündchen in eine Bar (mit jeder Menge Einheimischen) in Las Cañitas gefahren. So endete der Abend doch noch glücklich gegen 4 Uhr mit einer äußerst billigen Taxifahrt nach hause. Heute folgten wir einem anderen Tipp des Lonely Planets und haben uns den sonntäglich stattfindenden „Feria de San Telmo“ angesehen. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen Antiquitätenmarkt. Dieser bildet auch heute noch den Mittelpunkt auf dem Plaza Dorrego, doch der Markt hat sich in alle Richtungen im Stadtteil San Telmo ausgebreitet. Neben offensichtlich touristischen Teilen gibt es einen Teil, in dem Künstler ihre Werke ausstellen, auf den Straßen legen Händler ihre Ware aus (Lederwaren, Schmuck, Kleidung - einfach alles), überall gibt es Stände, an denen Popcorn, gebrannte Mandeln oder frisch gepresster O-Saft verkauft wird (…das ist mal ne Zusammenstellung); die Cafés und Antiquitätengeschäfte des Viertels haben geöffnet und dazwischen sieht man überall Straßenkünstler. Dabei handelt es sich teilweise um sehr ursprüngliche Künstler, wirklich klasse. Die versprochenen Tangovorführungen auf der Straße haben wir leider noch nicht dort gesehen; aber vor der Iglesia de Nuestra Señora de Belén spielte eine Tango-Band. Zwei Kinder (vielleicht 11 Jahre alt) begannen dann, zu der Musik Tango zu tanzen… das Mädel in einem schicken rotes Kleid, dazu beide in Turnschuhen… :-D, aber die hatten’s echt drauf! Wir sind gut zweieinhalb Stunden über den Markt gelaufen und haben trotzdem nicht alles gesehen. Und dann… kam doch tatsächlich noch die Sonne zum Vorschein :-)

Fotos von meinem Zimmer und der WG

Mein Zimmer ist zwar noch nicht endgültig zu meiner Zufriedenstellung eingerichtet, aber ich habe brav alles fotografisch festgehalten - wie gewünscht mit Vorher-Nachher-Effekt – und jetzt ist es wirklich ganz gemütlich.

Freitag, 7. März 2008

Angekommen :-)

Hallo ihr lieben Leute in der Heimat, erst mal vielen vielen Dank für die liebe Verabschiedung, die Briefe, die kleinen Geschenke und die ganzen Mails!! Das war unglaublich toll!!! Auch wenn dann der Abschied erst mal noch ein wenig schwerer fällt... ;-), aber dann fühlt man sich nicht ganz so alleine am Anfang,jaa... :-))) Habe schon in den ersten Mails an meine Family und am Telefon mit René versucht, die ganzen ersten Eindrücke zu erzählen, aber es sind einfach zu viele...deswegen alles nach und nach... Mit meinem Flug hatte ich echt Glück, heute sind wohl super viele Flüge wegen des Streiks gecancelt worden. Es fing schon gut an beim Gepäck aufgeben: Mein Koffer wog 27 kg (anstatt 20kg) und das Handgepäck hat sich nach Einpacken der Verpflegung und der ganzen Geschenke von 9 kg (zuhause) auf 13 kg vergrößert. Aber die nette Frau am Schalter von Iberia ließ sich dann doch überreden, eine Ausnahme zu machen (ich sag’s auch nicht dem Mann, der vor mir eine riesige Reisetasche als Handgepäck ausgeben wollte ;-) ) – so habe ich nichts mehr dazu bezahlt, Glück gehabt! Der Flug war dann super. In Madrid am Flughafen hab ich ein deutsches Mädel getroffen, die nach Santiago de Chile weiterreiste. So haben wir zwei meiner dreieinhalb Stunden Wartezeit zusammen verbracht. Der 13-stündige Flug weiter nach Buenos Aires ging auch ganz schnell vorbei… und nein, mit Iberia fliegen war echt okay ;-): Das Essen war in Ordnung, von der Beinfreiheit her auch, und das Personal war freundlich…was will man mehr? Am Flughafen in Buenos Aires ging auch alles ganz schnell, so dass ich Helena, die mich widererwartend doch abholen konnte (was ich nicht wusste), leider verpasst hab. In meiner zukünftigen WG in der Avenida Diaz Velez 3471, 2do piso, wurde ich dann total freundlich in Empfang genommen. Leider wurde mein Zimmer gerade noch renoviert und man wusste auch nicht, wie lange noch. Aber, gute Nachricht: das Internet funktioniert einwandfrei. Nach ca. anderthalb Stunden war es dann doch soweit. Nach und nach wurden noch ein Schränkchen, ein Stuhl und eine Garderobe aus der restlichen Wohnung meiner Zimmereinrichtung hinzugefügt und morgen bekomme ich noch Vorhänge. Mit der Renovierung hatten sie sich wohl beeilt – der Boden war blitzblank, aber die Regale und den Schreibtisch zierten eine schöne weiße Staubschicht. Also hab ich mir vor dem endgültigen Kofferauspacken erst mal etwas Putzzeug besorgt ;-) Morgen werd ich noch ein paar Fotos aufhängen und spätestens dann ist es doch ganz gemütlich. Dann werde ich einen Vorher-Nachher-Vergleich in das Fotoalbum einstellen und auch Fotos der restlichen Wohnung folgen. Ich habe 4 Mitbewohner: Alex aus Bulgarien, Sarah aus der Schweiz, Joe aus England und Alex aus Frankreich, alle super nett. Da einerseits die Spanisch-, andererseits aber auch die Englischkenntnisse weit auseinander driften, reden wir hier bisher ein wildes Mischmasch *g*, aber wir verstehn uns. Lukas, der Freund von Alex, kann super kochen, so dass ich hier gestern schon eine leckere Spaghetti-Kreation und heute typisch argentinische Empanadas (Teigtaschen mit Füllung, hier einem Gemisch aus Hühnchen, Gemüse, Ei…) genießen durfte. Warm gegessen wird allerdings selten vor 22:00… Ansonsten ist es mit meinem Spanisch so, dass Lesen und Schreiben super klappt, Sprechen geht auch noch, aber das super schnelle, stark vom spanischen abweichende argentinische Castellano ist schon schwierig zu verstehen und fordert äußerste Konzentration, wenn man z.B. von einer netten älteren Dame aus dem Auslandsamt der Uni zugelabert wird….naja, das wird schon noch. Ich hatte heute direkt schon einen Spanisch-Einstufungstest an der Uni. Der stellte sich als nicht besonders schwierig heraus - Ergebnis kommt am Montag, aber es dient auch nur der Einordnung in einen Spanischkurs. Jaa, ich war gestern direkt schon bei der Uni, um mich einzuschreiben…“Tienes toda la documentación?!?“ – „Sí, claro…“ - dafür bin ich doch wochenlang durch die Gegend gelaufen, um Beglaubigungen der Beglaubigungen (Apostille) etc. einzuholen. Aber von wegen, mir fehlt jetzt noch das argentinische Führungszeugnis der letzten 5 Jahre (Hallo, ich bin gestern zum allerersten Mal auf diesem Kontinent eingereist!), dann die Übersetzung meines Passes (Jaaa, die wollen „Name/surname/nom“ oder „Pass-Nr./Passport No./Passport No“ etc.ins Spanische übersetzt haben – sonstige englische Dokumente von mir haben sie aber verstanden ;-) ) samt Beglaubigung, dass die von der Uni ausgewählte (!) Übersetzerin, auch richtig übersetzt hat, sowie eine Krankenversicherung (die deutsche gilt für sie nicht) samt Arztbesuch, dass ich gesund bin (was mir mein deutscher Hausarzt auch bereits unterschrieben hat). Also werde ich in der ersten Woche hier erst mal beschäftigt sein… und da soll noch mal jemand sagen, Deutschland wäre das Land der Bürokratie. Sooo, ich werde mal versuchen, ein paar Fotos hochzuladen, morgen dann hoffentlich mehr zu meinen ersten Eindrücken von Buenos Aires. Ganz liebe Grüße an alle, die an mich denken! Ich freue mich über eure Nachrichten / Mails / Grüße!!! Saskia P.S.: Erreichbar bin ich jetzt auch über Skype: SaskiaO1207

Sonntag, 17. Februar 2008

Noch 16 Tage...

Hallo zusammen! Bald ist es auch bei mir soweit... Am 4. März fliege ich nach Buenos Aires und werde dort mein 4-monatiges Auslandssemester verbringen :-) Auf diesem Wege möchte ich euch auf dem Laufenden halten. Ich freue mich auf viele Leser und eure Kommentare! Hasta luego! Eure Saskia